Schon allein die große Teilnahme am Projekt „Zukunftswerkstatt“ beweist es: die Matscher wollen bei der künftigen Entwicklung ihres Dorfes mitreden und mitgestalten.

Wo drückt den Matschern der Schuh?

Publiziert in 5 / 2010 - Erschienen am 10. Februar 2010
Matsch – Gemessen an der Einwohnerzahl von rund 500 waren es am Samstag, 6. Februar,­ überraschend viele Matscherinnen und Matscher, die sich im Kultursaal versammelt hatten, um über Stärken und Schwächen ihres Dorfes nachzudenken und mögliche Lösungen aufzuzeigen. Rund 70 Personen aller Altersklassen saßen, aufgeteilt in Arbeitsgruppen, an Themen-Tischen zusammen. Wie schon in anderen Fraktionen der Gemeinde Mals ging es auch in Matsch um das Projekt „Zukunftswerkstatt“. Wie der Projektbetreuer und Bildungsmanager Bernd Karner sowie der für Matsch zuständige Gemeindereferent Andreas Heinisch einleitend festhielten, bilden die in den Gruppen geäußerten Wünsche und Anliegen die Grundlage für eine Fragebogenaktion. Die Auswertung der Fragebögen wiederum, die im Frühjahr ­allen über ­16-Jährigen zugestellt werden, soll für die Erstellung eines Leitbildes dienen. Was die Matscher in ihrem Dorf bzw. ihrem Tal zu ­schätzen wissen, sind unter anderem die Strukturen (neuer Kindergarten und Schule, Skilift, Sportplatz, Bibliothek usw.), das gut funktionierende Vereinsleben, das eigene Jagdrevier, Treffpunkte wie etwa Gastlokale, der Jugendraum, das Wanderwegenetz, die gute Luft, die (noch) funktionierende Bergland- und Almwirtschaft, die Gastbetriebe, die Nahversorgung, Urlaub auf dem Bauernhof, der Dorfplatz. Auch die Dorfgemeinschaft, die Ortsverbundenheit, die lebendige Kirche, der Unter­nehmergeist, die Heimatliebe und andere Stärken und Vorzüge wurden genannt, auf die die Matscher stolz sind. Nicht minder lang ist allerdings auch die Liste der Probleme und Anliegen. Beim Internet­anschluss (Breitband) etwa hapert es zurzeit ebenso wie bei der öffentlichen Verkehrsanbindung (kein Citybus). Was sich viele wünschen, ist eine Erweiterung des Kultursaales. Beim Bau desselben sei die Politik den Wünschen der Bevölkerung nicht nachgekommen. Die Bühne sei ebenso zu klein wie die Küche. Auch zusätzliche Räume für die Vereine sind notwendig. Ein ebenfalls oft geäußertes Anliegen ist die örtliche Nutzung der Wasserkraft. Es dürfe nicht sein, dass das Wasser nur von ortsfremden Institutionen und Körperschaften zu Geld gemacht wird und das Tal durch die Finger schaut. Mehr nutzen sollte man in Matsch die Kraft der Sonne für die Stromproduktion. Die Existenz der Landwirtschaft sei zu sichern, unter anderem mit der Vermarktung der Produkte bei örtlichen Gastbetrieben. Die Fernwärmeversorgung sei auch auf Privathäuser auszudehnen. Dies sei seinerzeit politisch verhindert worden. Auch neue, kleinere touristische Infrastrukturen seien zu schaffen, etwa eine kleine Langlaufloipe, ein Klettergarten oder ein Eisturm für die Wintergäste. Wichtig wären weiters ein Parkplatz in der Nähe der Kirche, eine Neugestaltung der Dorfeinfahrt, eine Kühlzelle für Bauern und Jäger, finanzielle Anreize für die ­Nutzung leer stehender Bausubstanz im Dorf, die Erhaltung der Almen, Weiden und Waale, eine bessere Organisation und Aufwertung des Jugendraums, die Schaffung von Alten­wohnungen, wobei als Standort das alte Schulhaus genannt wurde, ein öffentlicher Grillplatz, eine musikalische Frühförderung der Kinder, eine Verbesserung der Italienischkenntnisse in der Bevölkerung und viele weitere Anliegen mehr. Und noch etwas wünschen sich die Matscher: die Gemeindeverwaltung soll die derzeitige Bürgernähe beibehalten. Dass die Bürger ihrerseits zum ­Mitdenken, Mitreden und Mitgestalten bereit sind, haben sie mit dem Arbeitsabend eindrucksvoll bewiesen.
Josef Laner
Josef Laner

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