Das Duell in der „Hauptstadt“
Publiziert in 8 / 2010 - Erschienen am 3. März 2010
Schlanders – In der Vinschger „Hauptstadt“ wollen ab dem 16. Mai Dieter Pinggera und Erwin Dilitz auf dem Bürgermeistersessel Platz nehmen. Das Problem ist: auf diesem Sessel, den Bürgermeister Johann Wallnöfer hinterlässt, hat nur einer Platz. Pinggera wurde vom Gemeindesozialausschuss nominiert, Dilitz von der Wirtschaft. „Der Vinschger“ hat den zwei SVP-Bürgermeisterkandidaten dieselben, zum Teil etwas ungewöhnlichen Fragen gestellt.
Interview: Sepp Laner
Sie gehören derselben Partei an wie Ihr Mitbewerber. Sehen Sie in diesem einen direkten Gegner?
Dieter Pinggera: Als SVP-Ortsobmann von Schlanders gehe ich davon aus, dass die SVP ab dem 16. Mai in Schlanders wieder den Bürgermeister stellt. Da mein Mitbewerber und ich die zwei Bürgermeisterkandidaten der SVP sind und da es diesen Posten – wie Sie ja sagen - nur einmal zu besetzen gibt, liegt es in der Natur der Dinge, dass wir Konkurrenten und, wenn Sie so wollen, direkte Gegner im Wettbewerb um dieses Amt sind. Grundsätzlich finde ich es sehr gut und demokratisch notwendig, dass sich mindestens zwei Kandidaten der Wahl stellen, damit der/die Wähler/in eine Auswahl hat.
Erwin Dilitz: Nein, nicht wirklich.
Warum soll Ihnen ein Arbeiter seine Stimme geben, ein Bauer, Kaufmann, Gastwirt oder Handwerker?
Dieter Pinggera: Ich bin ein junger, hoch motivierter und aufgeschlossener Bürger unserer Marktgemeinde Schlanders, der seit etlichen Jahren ehrenamtlich viel Zeit und Kraft für das Allgemeinwohl einsetzt. Ich bemühe mich stets, die Ämter, die ich bekleide, und die Aufgaben, die ich übernehme, mit Sachkompetenz, Freude und nach bestem Wissen und Gewissen auszuführen. Ich bin überzeugt, die Fähigkeiten zu haben, eine ausgewogene Sozial- und Wirtschaftspolitik in Zusammenarbeit mit allen Interessensverbänden und Gruppierungen zu betreiben. Mein vorrangiges Ziel ist es, ein guter Bürgermeister für alle Bürgerinnen und Bürger zu sein.
Erwin Dilitz: Ich stamme aus einer einfachen Arbeiterfamilie und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, mit einem bescheidenen Gehalt eine Familie zu ernähren. Ich musste selbst in meiner Studienzeit in den Sommermonaten als Handlanger bei verschienen Baufirmen arbeiten, um mein Studium zu finanzieren, und kenne die Probleme und Sorgen der Arbeiter, die täglich ihr Brot mit Pickel und Schaufel verdienen müssen. Nach dem Abschluss des Studiums habe ich einige Jahre beim LVH in Bozen und als Bezirksleiter in Schlanders gearbeitet, wo ich die Welt der Klein- und Mittelbetriebe kennengelernt habe und ihren täglichen Kampf mit Gesetzen und Bürokratie. Im Laufe meiner späteren beruflichen Tätigkeit als Rechtsanwalt habe ich viele Bauern vertreten, deren Anliegen vorwiegend der Schutz und die Erhaltung ihres Hofes sowie ihres Grund und Bodens war. Als Bürgermeister will ich die Interessen aller Berufssparten vertreten, meine bisherigen Lebens- und Berufserfahrungen werden mir dabei sehr nützlich sein.
Was hat die bisherige Verwaltung Ihrer Meinung nach falsch gemacht?
Dieter Pinggera: Die scheidende Verwaltung hat in vielerlei Hinsicht eine vorbildliche Führung und Verwaltung der öffentlichen Interessen vorzuweisen. Schlanders ist ein wunderschöner Marktflecken mit hoher Lebensqualität, mit vielfältigen Infrastrukturen und Einrichtungen, mit einem relativ geringen Verschuldungsstand und familienfreundlichen Gebühren, mit einem reichen kulturellen Angebot und einem regen Vereinsleben, und dennoch, davon bin ich überzeugt, mit einem noch beachtlichen Entwicklungspotential. Dieses Potential, die Kultur der Zusammenarbeit und ein echtes Wir-Gefühl gilt es, in den nächsten Jahren verstärkt zu entwickeln und zu fördern.
Erwin Dilitz: Ich maße mir nicht an, über die Tätigkeit der scheidenden Verwaltung zu urteilen.
Im Volksmund heißt es oft: „Vor den Wahlen grüßen dich plötzlich alle, nachher wird das schnell anders.“ Wie steht das bei
Ihnen?
Dieter Pinggera: In diesem Punkt, denke ich, gibt es kein Problem mit meiner Glaubwürdigkeit. Ich bin von Natur aus höflich, freundlich und begegne den Mitmenschen mit Offenheit und Respekt.
Erwin Dilitz: Das trifft bei mir sicherlich nicht zu. Ich persönlich halte nichts von Scheinheiligkeit vor den Wahlen, von großen Sprüchen und Versprechungen, die nicht eingehalten werden können, und von „Lokalrunden“, um sich ein paar Stimmen zu kaufen. Dies ist nicht meine Art, das Vertrauen der BürgerInnen zu gewinnen.
Drei Anliegen, die Sie als Bürgermeister zuerst angehen möchten.
Dieter Pinggera: Es wird von Beginn an mein klares Ziel sein, alle möglichen und sinnvollen Einsparungspotentiale in der Verwaltung zu ermitteln und diese schnellstmöglich umzusetzen. Des weiteren halte ich es für notwendig, eine strategische Gemeindeentwicklung nach Gesamtkonzepten zu verfolgen. Hierzu sollen verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet werden, um dieses Vorhaben mit einer starken Bürgerbeteiligung und in Zusammenarbeit mit allen Interessensverbänden und Gruppierungen voranzutreiben. Und schließlich sind mir die sofortige Realisierung bzw. Weiterführung der bereits geplanten und genehmigten Projekte (Kindergarten Schlanders, Stainer-Parkplatz, Spielplatz Göflan, Abbau der architektonischen Barrieren, u.s.w.) ein weiteres großes Anliegen.
Erwin Dilitz:
- Verwirklichung der bereits genehmigten Projekte (Bürgerheim, Freibad mit Beach-Volley, Kindergarten).
- Anbindung der Fraktionen Göflan, Kortsch und Vetzan an das Fernheizwerk.
- Rückgewinnung des Kasernenareals.
Würde es Ihnen sehr wehtun, am 16. Mai auf die Nase zu fallen?
Dieter Pinggera: Selbstverständlich ist diese Wahl auch für mich persönlich eine große Chance, sodass ich natürlicherweise enttäuscht wäre, wenn ich das Vertrauen der Schlanderser Bevölkerung nicht gewinnen könnte. Trotzdem würde ich es nicht als ein „auf die Nase fallen“ bezeichnen, denn es handelt sich hierbei um eine demokratische Wahl, für die ich mich mit meinen Fähigkeiten und meinem Engagement zur Verfügung stelle und deren Resultat jeder dann ganz einfach zu akzeptieren hat.
Erwin Dilitz: Ich wäre sicherlich nicht erfreut, aber dennoch bereit, mich weiterhin für das Wohl unserer Gemeinde einzusetzen.
Für den Fall, dass Sie unterliegen: Würden Sie im Gemeinderat bleiben?
Dieter Pinggera: Selbstverständlich!
Erwin Dilitz: Ja. Auf jeden Fall, um die Interessen derer zu vertreten, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben.
Für den Fall, dass Sie Bürgermeister werden: Würden Sie Ihren Mitbewerber in den Ausschuss holen?
Dieter Pinggera: Diese Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab und ich kann sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht beantworten.
Erwin Dilitz: Über die Zusammensetzung des Ausschusses wird erst nach den Wahlen zu sprechen sein.
In den Gasthäusern und auf den Straßen ist schon längst Wahlkampf. Stimmt es, dass Sie erst seit kurzem auch auf Facebook zu finden sind?
Dieter Pinggera: Ja, das stimmt. Ich hatte nie die Zeit, mich mit diesem Medium auseinanderzusetzen, und habe auch jetzt nicht immer die Zeit, mich dieser Plattform mit der notwendigen Regelmäßigkeit zu widmen.
Erwin Dilitz: Ja, seit ein paar Wochen. Ich bevorzuge jedoch den persönlichen Kontakt mit den Menschen.
Warum sollen Ihnen die Jugendlichen ihr Vertrauen schenken?
Dieter Pinggera: Ich bin selbst noch relativ jung und habe in Vereinen und Verbänden viel mit Jugendlichen zu tun. Die Jugendlichen sind eine wichtige Gruppe in jeder Dorfgemeinschaft mit besonderen Bedürfnissen und Anliegen, für die ich offen bin.
Erwin Dilitz: Als Vater von zwei Söhnen bin ich tagtäglich mit den Wünschen, Problemen und Anliegen der Jugend konfrontiert. Als Jugendstrafverteidiger weiß ich jedoch auch um die Gefahren, welchen die Jugendlichen ausgesetzt sind. Ziel der Gemeindeverwaltung muss es sein, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass unsere jungen Mitbürger in unserer Gemeinde bleiben wollen und können, in jeder Hinsicht.
Haben Sie Angst vor dem Abschneiden der Freiheitlichen und anderer Oppositionsparteien?
Dieter Pinggera: In diesem Zusammenhang finde ich den Begriff „Angst“ für nicht zutreffend. Als SVP-Ortsobmann des Hauptortes respektiere ich die Oppositionsparteien, wenn ich auch bestimmte populistische Methoden und Weltanschauungen nicht teilen kann. Zudem hat die SVP in Schlanders bereits langjährige Erfahrung mit Oppositionsparteien und mit ihnen auf institutioneller Ebene immer einen korrekten Umgang gepflegt. Persönlich sehe ich die SVP in der Gemeinde Schlanders gut aufgestellt, mit sowohl erfahrenen als auch neuen, motivierten und kompetenten Gemeinderatskandidaten/innen, die alle Bereiche abdecken und den Wähler/innen somit eine reichhaltige Auswahl bieten.
Erwin Dilitz: Eigentlich nicht.
Glauben Sie, dass die Wähler mehr auf Sie als Person setzen oder mehr auf Ihre Lobby-Kreise und Interessensgruppen?
Dieter Pinggera: Gemeinderatswahlen und insbesondere Bürgermeisterwahlen mit einem Direktwahlsystem sind grundsätzlich Personenwahlen. Ohne die verschiedenen Lobbys und Interessensgruppen unterschätzen zu wollen oder gar vor den Kopf zu stoßen, glaube ich doch, dass bei der Bevölkerung der Charakter eines Kandidaten, seine Glaubwürdigkeit und seine Vertrauenswürdigkeit den Ausschlag geben.
Erwin Dilitz: Die Gemeinderatswahl ist sicherlich vorwiegend eine Personenwahl. Natürlich haben auch die Interessensgruppen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.
Wie wichtig ist Ihnen die Entschädigung (ca. 3.100 Euro netto im Monat), die der Bürgermeister einer Gemeinde der Größenordnung von Schlanders bezieht?
Dieter Pinggera: Bürgermeister von Schlanders zu sein stellt unbestritten eine große Ehre, aber auch eine große Herausforderung dar. Gemessen an der Verantwortung, den Anforderungen und den hohen Erwartungen scheint mir die Entschädigung des Bürgermeisters von Schlanders nicht ungerechtfertigt. Dennoch ist es bestimmt nicht der wirtschaftliche Aspekt, der mich zur Kandidatur bewegt. Meine innere Motivation besteht vielmehr in der Möglichkeit, die Zukunft von Schlanders gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten, zu entwickeln und entscheidend mitzuprägen.
Erwin Dilitz: Dem Bürgermeister steht eine angemessene Amtsentschädigung zu. Allerdings hat mich diese bei meiner Entscheidung, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, in keiner Weise beeinflusst.
Josef Laner