Rund 30.000 Kubikmeter Material kann die 1975 errichtete Sperre zurückhalten. Nach dem Unwetter vom 12. Juli 2010 war das Becken im Nu randvoll.

„Man muss fast bei jedem Wetter Angst haben“

Publiziert in 28 / 2010 - Erschienen am 21. Juli 2010
Kortsch/Laas – Weit über 20.000 Kubikmeter Material spülten der Strimmbach und zum Teil auch der ­Gadriabach am späten Abend des 12. Juli infolge eines heftigen Un­wetters zu Tal. Das Rück­haltebecken, das 1975 unterhalb des Zusammenflusses beider Bäche erbaut worden war, war im Nu randvoll. Dazu beigetragen hat vor allem eine große Mure entlang des letzten Teilstücks des Strimmbachs. Das angeschwemmte ­Material hat unter anderem die Einkehr des Beregungswassers für Laas, ­Allitz und die Kortscher Wiesen verschüttet, so dass es teil- und zeitweise zu Eng­pässen in der Versorgung mit Beregnungswasser kam. Wie der ­Kortscher Beregnungswart Robert Schwalt, der Gemeindereferent Reinhard Schwalt sowie der Kortscher Bauernbundobmann Thomas Pedroß bei einem Ortsaugenschein am 14. Juli be­stätigten, wird für die Beregnung der Obstwiesen vorwiegend das relativ saubere Wasser aus dem Strimmbach verwendet. „Jetzt allerdings muss man bei fast jedem Unwetter Angst haben, dass die Einkehr verschüttet und das Wasser durch Murenabgänge mit Material versetzt wird“, so Reinhard Schwalt. Der Murenabgang vom 12. Juli war heuer bereits der zweite. Einen ersten hatte es am vergangenen Herz-Jesu-Sonntag (13. Juni) gegeben. Alles eher als vergessen hat ­Robert Schwalt das Unwetter vom 24. Juli 2009. Er war an diesem Tag vor Ort, um die Strimmbach-Einkehr zu ­schließen, als plötzlich bei heftigsten Regenfällen Muren zu Tal donnerten. „Es war, als ginge die Welt unter. Ich hatte große Angst“, erinnert sich der Beregnungswart. Rund 2 Stunden harrte er in der Dunkel­heit an einer relativ sicheren Stelle aus, bis er endlich Lichter bemerkte. Es waren Personen aus Kortsch herbei geeilt, die befürchtet hatten, dem Beregnungswart könnte etwas zugestoßen sein. Der provisorische Schutzdamm, der nach dem Unwetter 2009 aufgeschüttet worden war, wurde beim ­Murenabgang am 12. Juli 2010 zu einem Gutteil weggerissen. Um die Gefahren­zone einigermaßen in den Griff zu bekommen und die Unversehrtheit der Zufuhr von Beregnungswasser zu gewährleisten, werden Maßnahmen gesetzt werden müssen. Welche das sein könnten, ist noch offen. Reinhard Schwalt regt die Erstellung ­einer Studie an. Schäden hat das Unwetter vom 12. Juli auch in Tanas und Allitz angerichtet. So wurde etwa die Zufahrt zum Hof Oberfrinig verschüttet. Detail am Rande: Am Tag nach dem Unwetter hielten sich Universitätsstudenten aus ­Padua am „Litzer Berg“ auf, und zwar im Rahmen eines transnationalen Interreg-Projekts zur Echtzeitüberwachung von Naturphänomenen für den ­Zivilschutz. Das Land Südtirol ist an diesem Projekt be­teiligt. Das Testgebiet liegt just in der Zone Gadria in Laas und in Schlanders. In diesem von häufigen Murgängen gekennzeichneten Gebiet wurde ein innovatives Monitoring System installiert. Ziel ist es, Daten für wissenschaftliche Studien des Phänomens Muren zu sammeln. Weiters geht es um die Entwicklung des Prototyps eines Frühwarnsystems. Bei der Überwachung arbeiten die Abteilungen Wasserschutzbauten und Brand- und ­Zivilschutz eng zusammen. Das Projekt hat im Herbst 2009 begonnen und wird im Mai 2012 enden. Finanziert wird es über den europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE über das Programm South-East-Europe und durch Zuweisungen von Staat und Land.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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