„Tarifniveau von Prad für das ganze Tal“
Publiziert in 44 / 2011 - Erschienen am 7. Dezember 2011
Laas – „Die Chance, das Stromnetz anzukaufen, ist einmalig. Wenn wir sie jetzt nicht nutzen, werden wir diese Chance wahrscheinlich nie mehr wieder bekommen.“
Dies sagte Albrecht Plangger, der Obmann des Vinschgauer Elektrizitätskonsortiums (VEK), als er am 30. November den Laaser Gemeinderat über den derzeitigen Stand der Verhandlungen zur Übernahme des Stromnetzes im Vinschgau informierte. Die Ziele, die man mit der Netzübernahme und der eigenständigen Stromverteilung anpeilt, sind laut Plangger zwar ehrgeizig, aber in mehrfacher Hinsicht erstrebenswert. Was die Vinschger Gemeinden als künftige Netzeigentümer erreichen wollen, ist ein Tarifniveau, wie man es derzeit in Prad vorfindet. Weiters soll die Dienstleistung vor Ort verbessert werden. Mehr Bürgernähe, die Versorgungssicherheit, die lokale Wertschöpfung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze sind weitere Ziele.
Für den Kauf des Stromnetzes sind ca. 10,5 Millionen Euro an die SELNET zu zahlen. Rund 1,3 Mio. Euro davon müsste die Gemeinde Laas aufbringen. Dass der Netzankauf trotz der finanziellen Opfer sinnvoll ist, begründete Plangger unter anderem damit, dass die Gemeinden zu den Eigentümern dieser wichtigen Infrastruktur und somit die Herren im eigenen Haus werden, dass aufgrund der Stromverteilung auf Genossenschaftsbasis die Systemkosten wegfallen, dass die Durchleitungsgebühren den Gemeinden zufallen und dass letztendlich die Gemeinden entscheiden, wo, wann und wie investiert wird. Die Ausgaben für den Netzankauf könnten zum Teil auch über Erlöse aus der Stromproduktion gedeckt werden. Speziell die Gemeinde Laas dürfte diesbezüglich aufgrund der Marteller Konzession (Kraftwerk Laas) zu neuen Einnahmen kommen.
Im Bereich von Laas bis Graun soll eine historische Genossenschaft als Stromverteiler auftreten. Im Untervinschgau wird eine Verteilerkooperation (Schlanders, Latsch, Martell) angepeilt.
Die Entscheidung, das Netz anzukaufen, obliegt natürlich den Gemeinderäten. Was die Zeitleiste betrifft, so sollen die Gemeinderäte noch innerhalb heuer grundsätzlich beschließen, ob sie das Netz kaufen wollen. In einigen Gemeinden wurden diese Grundsatzentscheidung bereits positiv gefällt. Mit konkreten Zahlungen seitens der Gemeinden sei laut Plangger frühestens im Herbst 2012 zu rechnen, „aber es wäre nicht schlecht, wenn man schon jetzt bei der Haushaltsgebarung die Netzübernahme im Hinterkopf behält und die Verwaltungsüberschüsse nicht vollständig verplant.“
Was sich Plangger, seine Mitstreiter Georg Wunderer und Hubert Variola sowie die Bürgermeister von der neuen SEL-Spitze erwarten, ist, dass in Zukunft transparent und vor allem auf Augenhöhe verhandelt werden kann. O-Ton Plangger: „Die bisherige Arroganz der SEL wird hoffentlich ebenso ausbleiben wie die Taktik, uns im Vinschgau auseinander zu dividieren und Zwietracht unter den Bürgermeistern zu säen.“ Noch abzuklären bzw. abzugleichen seien die unterschiedlichen Zahlen zwischen dem Berechnungskonzept der Gemeinden und jenem der SELNET.
Vizebürgermeister und Finanzreferent Markus Hauser sagte, dass die für Laas prognostizierten Kosten der Netzübernahme seitens der Gemeinde zu stemmen sind. Er gab sich vom Konzept der eingeständigen Stromverteilung voll überzeugt. Das Ratsmitglied Alois Tscholl meinte: „Wir wissen nur zu gut, welche Scherereien man hatte, wenn man mit dem Konzern ENEL zu tun hatte...und mit der SELNET ist es nicht besser.“
Josef Laner