Ausdrücke aus dem Vinschgau (59): „Ziigngleggl“

Publiziert in 45 / 2011 - Erschienen am 15. Dezember 2011
„St. Josef, bitt um eine glückliche Sterbestunde!“ Dies ist ein Teil der Inschrift auf dem 80 kg schweren Ziigngleggl (auch Zinggleggl) in der Kirche zum Hl. Luzius in Tiss bei Goldrain. Sein Festtag wurde erst kürzlich am 2. Dezember gefeiert. Dass wir ihn außer in Goldrain auch noch in der Pfarrkirche von Laatsch und in der Kapelle in der Fürstenburg in Burgeis, also gleich drei Mal hier finden, hängt damit zusammen, dass der Vinschgau bis 1816 kirchenrechtlich zum Bistum Chur gehörte und St. Luzi, wie er auch genannt wird, der dortige Bistumspatron ist. Das Ziign­gleggl ist, wie heute noch weithin bekannt, die Sterbeglocke und wurde früher bereits geläutet, wenn der Sterbende in den ­letzten Zügen lag – daher auch der Name. Das Sterbeglöcklein in Tiss stammt übrigens aus dem Jahre 1925 und wurde, wie zwei weitere Glocken, von Giovanni Colbacchini aus Trient gegossen. Er hatte der Legierung Blei beigemischt, wodurch es unerwünschterweise zu Tonschwankungen kommt. Geschwindelt wurde eben immer. Nochmals zurück zum Hl. Luzius. Er heilt unter anderem Kranke von ­ihrem Fieber und befreit Besessene von ihrem Wahn. Angesichts der nicht enden wollenden Schuldenkrise in Europa und den oft kaum nachvollziehbaren ­Rettungsaktionen scheint es nicht unsinnig zu sein, diesen Heiligen anzurufen. Möge der Euro nicht in den letzten Zügen liegen! z
Christian Zelger
Christian Zelger
Vinschger Sonderausgabe

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