Sprinzen-Treffen am Röfenhof
Publiziert in 45 / 2011 - Erschienen am 15. Dezember 2011
Burgeis - In Südtirol sind derzeit rund 400 Sprinzenrinder registriert. Die Rasse ist im Laufe der Jahrhunderte im Südtiroler Pustertal und seinen Seitentälern entstanden. Ihr guter Ruf gelangte seinerzeit sogar bis in die ehemalige Kaiserstadt Wien, wo sie auf den dortigen Abmelkbetrieben gerne für die Milch- und Fleischerzeugung gehalten wurde. Die damals in der Kaiserstadt aufblühende Tierzuchtwissenschaft bezeichnete die „Pustertaler“ als die beste Rinderrasse der k&k Monarchie.
Die Rasse überlebte den Zweiten Weltkrieg durch amtlich zugelassene Deckstiere für den privaten Gebrauch. Im Zuge der beginnenden Verwaltungsautonomie gegenüber dem Zentralstaat erholte sich das Selbstbewusstsein der Pustertaler Züchter. Anfang der 50-Jahre wurden erneut Zuchtvereine gegründet. Allerdings waren in der Zwischenzeit auf administrativer Ebene erneut Hindernisse aufgetreten. Eine neue Gesetzgebung sah strikte Vorschriften zur Führung von Herdebüchern vor. Die Kraft der Pustertaler Züchter reichte jedoch nicht mehr. Nur einige wenige passionierte Züchter erhielten die Pustertaler Rasse unter Duldung der lokalen Behörden über die Runden, bis auf europäischer Ebene der Gedanke zur Erhaltung alter Haustierrassen als wertvolle Genreserve Fuß fasste. Sonst wäre es sehr wahrscheinlich gewesen, dass die Pustertaler Sprinzen-Rasse beinahe ausgestorben wäre. Vom Aussterben sind die Sprinzen allerdings immer noch bedroht, denn es ist den Züchtern klar, dass auch die Pustertaler Sprinzen-Rasse vor der Tatsache nicht verschont bleibt, nur dann zu überleben, wenn der wirtschaftliche Nutzen geleistet wird. Einer der Züchter der Sprinzen-Rasse im Vinschgau ist Armin Pirhofer am Röfenhof an den Hängen über Kloster Marienberg. Kürzlich lud er viele seiner Freunde, Helfer und Sprinzenliebhaber zu einem Festmahl, auf das Köstlichste zubereitet vom Morterer Koch Ludwig Platzer, auf den Röfenhof. Gekommen war auch der Präsident des Verbandes für die Sprinzen und die Hochlandrinder, Altlandesrat Hugo Valentin in Begleitung seiner Gattin.
Wie einst im Mittelalter zog sich das Mahl vom Mittag bis in die Abendstunden hin.
Friedrich Haring