Donnerwetter

Publiziert in 45 / 2011 - Erschienen am 15. Dezember 2011
Taufers i.M. - Die jüngste Gemeinderatssitzung in Taufers schien trotz einiger kritischer Tagesordnungspunkte in friedlicher Vorweihnachtsstimmung zu verlaufen. Die angefragten Baugenehmigungen, Wiedergewinnungen und Haushaltsabänderungen wurden anstandslos erteilt. Der Haushaltsvoranschlag 2012 wurde von den kritischen Zusatz­fragen der Gemeinderätin der Liste für Taufers zwar gelöchert, aber Gemeindesekretärin Monika Spiess Platzgummer und Bürgermeister Hermann Fliri konnten zur Zufriedenheit von Margit Gaiser allen Fragen Paroli bieten. Unklarheiten gab es vorerst auch darüber, ob der Beschluss, eine große Summe für den Ankauf des Stromnetzes vorzusehen, bereits ein Grundsatzbeschluss sei, das Netz auch tatsächlich anzukaufen. Nachdem geklärt war, dass dieser Beschluss nur haushaltstechnisch zu verstehen sei und der tatsächliche Ankauf des Stromnetzes einen eigenen Beschluss des Gemeinderates erforderlich mache, schien die Sache bereinigt. Kompliziert wurde die Ge­schichte erst, als der Rambach wieder einmal durch die Gemeindestube „rauschte“. Der Sprecher der Gruppe „Pro Rambach“ und Tauferer Bürger ­Christoph Wallnöfer und die Umweltschutzgruppe Vinschgau hatten Beschwerden gegen den Ratsbeschluss Nr. 15/2011 bezüglich der Unterschutzstellung des Rambachs eingebracht. Die vom Gemeinderat beschlossene Ablehnung von Großableitungen zur hydroelektrischen Nutzung des Rambachs schien den Beschwerdeführern zu wenig weit gegriffen und nicht konsequent genug. Da die Beschwerden sehr ausführlich formuliert waren, gab es vorerst ein Hin und Her, ob die Schreiben überhaupt verlesen werden sollen. Das wurde schließlich auf Anregung des Bürgermeisters nicht gemacht, da jeder Gemeinderat die Möglichkeit gehabt hatte, die Schreiben schon vorher zu lesen. Mit Hinweis auf den beginnenden Rambach-Dialog kam man schließlich überein, nur die Formulierung des ehemaligen Ratsbeschlusses insofern zu ändern, dass unter dem Begriff „Großableitungen“ alle jene zu verstehen seien, die drei Megawatt überschreiten und die somit als zurückzuweisen zu verstehen seien, während Ableitungen bis drei Megawatt am Rambach möglich sein sollen. Das Donnerwetter begann erst nach der „Anfragenwelle“ des freiheitlichen Gemeinderatsmitglieds Fridolin Wittmer. ­Wolfgang Kapeller von der Liste für Taufers hatte noch den bescheidenen Wunsch eingebracht, dass, wie in Naturns, auch den Zuhörern bei der Gemeinderatssitzung in Taufers die Möglichkeit gegeben werden sollte, direkt Fragen an das gemeindliche Entscheidungsgremium zu stellen, denn die Bürgerinnen und Bürger dürfen bei Gemeinderats­sitzungen nur zuhören, aber nicht reden. Dann kam noch einmal die Frage des Neubaus der Grundschule zur Sprache. Die genehmigten Kosten betragen nunmehr rund 3,4 Mio. Euro. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Gemeindereferent Stefan Fliri von der SVP pran­gerte den Neubau als urbanistische Fehlplanung an, da bei so einem wichtigen Gebäude keine Parkplätze oder eine Tiefgarage vorgesehen seien. „Wo sollen denn die Lehrer oder andere Besucher der Schule parken?“, beanstandete Fliri. Bürgermeister ­Hermann Fliri konterte, dass ­Fliri vorher alles mitgetragen habe und wenn die Leute zu faul seien, ein paar Schritte zu Fuß zu gehen, könne er auch nicht helfen. Die ganze SVP-Riege schien von dem plötzlichen Gefühlsausbruch relativ verdattert und konnte den Angriff von Stefan Fliri nicht nachvollziehen, da man die Dauerparker vom Ortszentrum freihalten müsse und die Entscheidung gegen eine Tiefgarage aus finanziellen Gründen gefallen sein. Schützenhilfe bekam SVP-Rebell Stefan Fliri nur vom SVP-Rat ­Hubert ­Plangger, der den ­Aussagen von Fliri voll zustimmte. Wenn sich die Bürger über fehlende Parkplatzmöglichkeiten aufregen, wolle Fliri jedenfalls nicht schuld an dem Debakel sein. Vorweihnachtlich endete dann die ­Sitzung doch noch mit einer vorläufigen Verabschiedung der Gemeindesekretärin Monika Spiess Platzgummer durch den Bürgermeister.
Friedrich Haring
Friedrich Haring
Vinschger Sonderausgabe

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