Besorgt: Marlene Schönthaler, Angelika Telser und Monika Tröger mit Direktorin Martina Rainer (von links).

„Man nimmt uns die Mitte“

Publiziert in 45 / 2011 - Erschienen am 15. Dezember 2011
Tanas – Ein Bergdorf ringt um seinen sozialen und kulturellen Mittelpunkt. Sechs Schüler besuchen die Zwergschule von ­Tanas auf 1.400 Höhenmetern. Oberfrinig liegt auf 1.745 Metern. Monika Tröger hatte die vier Kilometer nach Tanas zurückgelegt, um sich mit Pressevertretern zu treffen. Die Witwe und zweifache Mutter war besorgt. Gemeinsam mit Marlene Schönthaler, Angelika Telser und Sprengeldirektorin ­Martina Rainer wollte sie sich für die Schule einsetzen und anschließend mit ihrem Sohn Fabian den Nikolausumzug mitfeiern. Der sollte traditionell am offenen Feuer auf dem Platz vor der Schule enden. Die sechs Schüler, darunter Fabian Tröger, standen mit Lehrerin Gudrun Moriggl bereit, den Heiligen und die Krampusse mit Liedern zu empfangen. Die Botschaft der besorgten Mütter war klar: Seht her, wie Tanas gemeinsam feiert! Seht her, wie Kinder durch die alten Bräuche in ihrer Heimat verwurzelt bleiben! Minuten zuvor hatte Sprecherin Marlene Schönthaler engagiert auf eben diesen sozialen Auftrag der Schule hingewiesen. Dass Schule die einzige öffentliche Einrichtung ist, dass sie Mittelpunkt und Treffpunkt ist, dass sie Kindern Wurzeln schafft, dass sie entscheidend sein kann, in Tanas zu wohnen, dass sie die Dorfbewohner zusammenschweißt, dass sie integriert, die Gemeinschaft fördert und dass in einer einklassigen Schule mit mehreren Jahrgangsstufen Werte viel besser vermittelt werden können. „Die, die im Tal leben, haben alles, wir hier haben nur die Schule“, sagte Schönthaler und legte ein Schreiben vor „an den Landeshauptmann und an alle Verantwortlichen in Politik, Schule und Kultur“. Es war von einer „Arbeitsgruppe der Zwergschulen“, in der neben Schönthaler und Tröger auch Meinrad Schöpf aus Planeil sitzt, ausgearbeitet worden. Man wollte der drohenden Schließung der 11 einklassigen Schulen in Südtirol entgegen zu wirken. Derzeit müssen Schulen mit 5 bis 17 Schülern jedes Jahr um eine Sondergenehmigung ansuchen. „Ein Anheben der Mindestzahl ist von der Landesrätin angedeutet worden“, teilte Direktorin ­Rainer mit. In Tanas sitzen ein Mädchen und fünf Buben gemeinsam im Klassenzimmer; drei besuchen die erste und drei die dritte Klasse. „Erst im übernächsten Schuljahr wird die Schülerzahl wieder ansteigen“, meinte Marlene Schönthaler, „Wir sind dankbar, dass die Landesregierung uns bisher so großzügig entgegen gekommen ist. Darauf hoffen wir weiterhin. Andernfalls verlieren wir unsern Mittelpunkt.“
Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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