Vor der Bibliothekswand mit den Ehrungen entstand das Klassenfoto der 4 SG mit Monika Hauser.

Sie hat immer noch nicht aufgehört anzufangen

Publiziert in 45 / 2011 - Erschienen am 15. Dezember 2011
Schlanders - Am Anfang war die Ohnmacht und dann die Wut, schrieb Louis Chantal in der Biographie einer ungewöhnlichen Frau und titelte: Monika Hauser – nie aufhören anzufangen. Wer Monika Hauser kennt, weiß: Die Ohnmacht wird nicht lange angedauert haben. Die Gynäkologin mit Laaser Wurzeln hat tatsächlich immer wieder angefangen, die Welt lebenswerter zu machen. Nunmehr seit 18 Jahren regt sie ein Projekt um das andere an und setzt sich für Frauen ein, die unter sexualisierter Kriegsgewalt leiden. 1993 gründete sie „medica mondiale“, nicht als medizinische Eingreiftruppe, sondern als „Frauenrechtsorganisation“, die sich zuerst in Bosnien, dann im Kosovo und in Albanien und schließlich in ­Afghanistan um traumatisierte Frauen kümmerte. 14 Preise und Ehrungen hat sie dafür schon bekommen. Den 15. - das Bundesverdienstkreuz - hat die Südtirolerin aus der Ostschweiz 1996 abgelehnt. Als Protest gegen die frühe Rückführung bosnischer Kriegsflüchtlinge. In die Schlagzeilen geraten sind Hauser und ihre Organisation aber als Preisträgerin des „Right Livelihood Award“ (Preis für richtige ­Lebensweise“), auch „Alternativer Friedensnobelpreis“ genannt. Dass ihr eine weitere Ehrung zuteil wurde, dass sie zu den „lebenden Büchern“ gezählt wird, hatte Monika Hauser ihrer Laaser Cousine Liselotte Parth zu verdanken. Die hatte den überzeugenden Auftritt in der Reihe „Lebende Bücher“ vor den Klassen 3, 4 und 5 des Real- und ­Sprachengymnasiums angeregt. Dort legte Hauser recht schonungs- und tabu-los Formen der Gewalt gegen Frauen offen und animierte die Schüler zu Fragen nach der Rolle der Männer bei „medica mondiale“, nach Gewalt an Frauen in Südtirol, nach ihrer eigenen Motivation und ihrer Einstellung zu Männern. Klar und entschlossen­ legte sie Wert auf „weibliche Begriffe“ in der ­Sprache. Klar und deutlich teilte sie mit, dass Friedensmissionen im ­Namen der Frauenrechte begonnen werden und scheitern, weil Frauen nie in den Friedensprozess eingebunden sind. Moderator Martin Trafoier sprach bescheiden von „einem Tropfen“ auf dem bekannten heißen Stein, als er die von den Englisch-­Lehrern eingesammelten 1.655 Euro überreichen ließ.
Günther Schöpf
Günther Schöpf

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