Ist die Autonomie ein Recht, ein Privileg oder bald sogar Vergangenheit?

Publiziert in 9 / 2009 - Erschienen am 11. März 2009
Südtirol ist ein reiches Land, reich an finanziellen Mitteln, reich an Kultur und reich an landschaftlichen Besonderheiten. Südtirol wird dafür auch von vielen italienischen Regionen und Nachbarländern zu Recht beneidet. Derart gut stand das Land aber nicht immer da. Vor allem während und nach den ­beiden Weltkriegen und infolge der Annexion seitens des italienischen Staates im Jahre 1919 musste auch unser Land im wortwörtlichen Sinne „bluten“. Diese schrecklichen Zeiten sind aber zum Glück Geschichte. Wir haben uns mit den Jahren an gewisse italienische Gegebenheiten gewöhnt, diese teilweise auch schätzen gelernt und fühlen uns vor allem in der Rolle des „Nettoempfängers“ vom Vater Staat sichtlich wohl. Doch nun scheint es mit den fetten Jahren vorbei zu sein: Durch den drastischen Reform- bzw. Sparkurs aus Rom droht Südtirol mit dem so oft in den Mund genommenen Wort „Steuerföderalismus“ gehörig auf die Nase zu fallen. Die Regierung Berlusconi und die immer so hoch gepriesene Koalitionspartei der Südtiroler Landesregierung Partito Democratico beweisen überraschende Einigkeit in der Beschneidung unserer finanziellen Sonderstellung und damit auch unserer Autonomie. „Die Autonomie ist ein Recht und kein Privileg“, sagen unsere Landes­politiker. Die Realität sieht offenbar aber ganz anders aus. Laut offiziellen Daten kostet Südtirol den Staat Italien im Jahr rund 600 Millionen Euro. Die Bürger unseres Landes waren und sind bezüglich der Zugehörigkeit zu Italien immer noch unterschiedlichster Meinung, das birgt nicht zuletzt auch irgendwann die Gefahr einer Zerreißprobe innerhalb unserer Gesellschaft. Bis dato hat aber immer wieder das viele Geld aus Rom solche Diskussionen überdüngt. Nun scheint es wirklich so zu sein, dass dieser Geldregen in Zukunft aus­bleiben wird. Und dann? Entweder werden wir uns durch diese Beschneidung der ­Autonomie langsam aber sicher in Richtung einer normalen italienischen Region entwickeln oder ist die aktuelle Situation vielleicht doch „ein Ar­gument mehr für den Freistaat“, wie der SVP-Abgeordnete Karl Zeller in Presse­berichten zitiert wird? Rudi Mazagg
Rudi Mazagg
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