Die Grenzen sind ihr Kapital
Publiziert in 11 / 2009 - Erschienen am 25. März 2009
Nicht so laut wie Wirtschaftsmessen, nicht so melodisch wie Xong, aber nicht weniger erfolgreich und wahrscheinlich in Zeiten wie diesen – ohne das verflixte K-Wort in den Mund nehmen zu müssen – noch nachhaltiger wirken zwei ungleiche, aber effiziente Grenzgänger. Sie haben es so ähnlich formuliert wie der dritte, erfolgreiche Grenzgänger, wie „arcus raetia“-Chef Konrad Meßner im „Vinschger“-Interview: „Dass die Grenze unser Kapital ist, wird viel zu wenig diskutiert“ („Der Vinschger“, Nr. 10, 18.3.2009, S. 2). Denn der kommunikative Zöllner Albrecht Plangger aus Graun und der unermüdliche Schulmann Hermann Klapeer aus Nauders haben ebenfalls das ursprünglich Trennende der befestigten Grenzen als nunmehr verbindende Ressource erkannt.
Plangger, die Symbolfigur für Vinschger Stromautonomie, und Klapeer, der ehemalige Bürgermeister und derzeit geduldige Vorsitzende des Vereines Altfinstermünz, haben mit ihrem Interreg-Projekt „Historische Grenzbefestigungen im Dreiländereck Italien – Österreich – Schweiz“ eine Reihe von klugen Köpfen diesseits und jenseits der italienischen, österreichischen und Schweizer Grenze, in Gemeindestuben, Regionalentwicklungszentren und Koordinierungsbüros zu Höchstleistungen auflaufen lassen und dadurch eine Wirtschaftsförderung im rätischen Dreieck fortgesetzt, die seit 2001, seit der Restaurierung von Altfinstermünz bereits Millionen Euro in die Region gebracht hat. In den Grenzgemeinden Tschlin und Samnaun im Unterengadin, Spiss, Pfunds und Nauders im Oberen Gericht und Graun im Vinschgau hinterlässt sie einen gewaltigen Mehrwert. Wie das Xong-Festival würde sie den Überprüfungen durch ein Management Center nach Umsatz, Langzeitwirkung und Imagesteigerung mit erstaunlichen Ergebnissen standhalten.
Günther Schöpf
Günther Schöpf