Die bewegende Geschichte eines ehemaligen Neonazis
Wie soll ich mit einem ehemaligen Vertreter der rechtsextremen Szene umgehen, fragte ich mich zwangsläufig bei der Recherche für die aktuelle Titelgeschichte dieser Ausgabe des „Vinschgers“.
Nun, die erste gefühlsmäßige Idee war zugegebenermaßen recht einfach, nämlich den Typ ordentlich „niederzuschreiben“.
„Der Vinschger“ hat schlussendlich doch nicht den Aussteiger niedergeschrieben, sondern versucht, sich eingehend mit seiner Person auseinanderzusetzen. Das hat mehr gebracht, als einen kurze Schlagzeile. Nämlich wertvolle Einblicke in die Gedankenkonstrukte eines ehemaligen Radikalen.
Unsere Aufgabe ist es, von solchen Geschichten zu be-richten. Richten werden die zuständigen Gerichte müssen.
Mittels einiger schwieriger Telefongespräche und einigen heiklen Verhandlungen konnten wir uns die persönliche Geschichte eines ehemaligen Neonazis anhören. Als Gegenleistung mussten wir Anonymität gewähren und einige Themen, die dem Betroffenen doch zu nahe gingen, ausklammern.
Trotzdem entsteht – so glaube ich - ein umfangreiches und sehr gefühlsbetontes Bild eines jungen Mannes, der in guter Absicht zusehends in schlechteres Terrain schlitterte. Ein Bericht eines Patrioten, der im Wirrwarr der Geschichtsschreibung einen schmerzhaften Ausflug ins rechte Eck hinter sich bringen musste, um zur recht simplen Erkenntnis zu gelangen, dass alles falsch ist, was mit Extremismus und Gewalt zu tun hat.