Zugegeben: Der Bauernstand in Südtirol ist mächtig und mächtig ist sein Einfluss in der Politik. Vielleicht zu mächtig. Andererseits fußt die Stärke der Bauern auf einem Prinzip, das in anderen Branchen bisweilen wackelt: der Zusammenhalt. Dieser ist durchaus legitim. Könnte man diesen Zusammenhalt auch auf andere Wirtschaftssparten ausdehnen, wären Schlagwörter wie „Schaffung von Synergien“ oder „Bündelung der Kräfte“ viel mehr als nur Wünsche. In der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Handel etwa hat sich zwar einiges bewegt - auch im Vinschgau -, doch das famose Soll ist noch lange nicht erreicht. Abgesehen von politischen und verbandsinternen Bemühungen sind zunächst einmal die „Synergien“ im Kopf zu schaffen. Es muss jedem klar werden, dass es allen zum Vorteil gereicht, wenn gegenseitiges Misstrauen, Neid und Vorurteile verschwinden. Wir leben alle im selben Haus und Südtirol ist ein schönes Heim. Das Dach braucht es ebenso wie das Fundament und die Mauern.
Wenn der Gast anstelle einer gepflegten Landschaft verwilderte Wiesen vorfindet, hat der Gastwirt keine Freude. Und wenn dieser seinen Gästen anstelle regionaler Erzeugnisse, wie sie der Gast erwartet, Billigprodukte aus aller Welt vor die Nase setzt und seinen eigenen Nachbarn auf seinen veredelten landwirtschaftlichen Produkten sitzen lässt, schadet er der heimischen Landwirtschaft. Dieser Gedanke ließe sich auch weiter ausdehnen, auf den Handel zum Beispiel oder das Handwerk.
Landesrat Hans Berger sagte bei der Bezirkstagung des Bauernbundes, dass es die kleinen Kreisläufe sind, auf die des ankommt. Und auch auf den gegenseitigen Respekt: Dass der Bauer mit seinem Güllefass zu Mittag am Speisesaal eines Hotels vorbeifährt, geht einfach nicht an. Ebenso zu verurteilen ist es, wenn die Gastronomie heimische Produkte ausklammert. Und wenn die Bauern schon Wert darauf legen, ihre Produkte abzusetzen, sollten auch sie mit gutem Beispiel vorangehen und beim Einkaufen nicht „ausgrasen“.
Sepp Laner
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