Burgeis – Nach dem großen Erfolg der ersten Tagungsreihe „Landwirtschaft im Oberen Vinschgau – wohin?“ an der Fürstenburg im vergangenen Jahr gab es auf Initiative von Hans Zagler kürzlich als Fortsetzung eine intensive Auseinandersetzung mit den Schwerpunkten „Erdbeer- und Himbeeranbau“ und „Getreideanbau als Alternative zur Grünlandwirtschaft“. Das Interesse der Landwirte aus dem Obervinschgau am Beerenanbau war deutlich, am Getreideanbau dafür eher mäßig; für einen voll besetzten Vortragsraum sorgte eine Schülerklasse der Fürstenburg, die die Tagung interessiert verfolgte.
von Ingeborg Rechenmacher
Im Oberen Vinschgau, der einstigen Kornkammer Tirols, ist man im Laufe der Jahrzehnte fast ausschließlich zur Grünlandwirtschaft übergegangen. Die im Sommerwind wogenden endlosen Roggenfelder, die das Gebiet bunt wie einen Fleckerlteppich gemacht haben, sind nur mehr nostalgische Erinnerung der älteren Generation.
Um 1900 betrug die Getreideanbaufläche in Südtirol noch 30.000 ha, im Jahre 1950 waren es noch 20.000 ha und bei der letzten Landwirtschaftszählung im Jahr 2000 nur mehr 243 ha, berichtete Giovanni Perathoner, Versuchsleiter der Sektion Berglandwirtschaft an der Laimburg. Die Gründe für den Rückgang des Getreideanbaus liegen auf der Hand: zu hohe Produktionskosten im Berggebiet, der Wandel von der Selbstversorgerwirtschaft zur marktorientierten Vieh- und Milchwirtschaft und die Umwandlung der Äcker in andere Kulturen dank der fortschreitenden Bewässerungstechnik. Und dabei wäre gerade der Obervinschgau prädestiniert für den Getreideanbau, der keine regelmäßige Bewässerung, dafür aber viel Wind benötigt. Eine gewinnbringende Vermarktung der Getreideprodukte sei möglich, wenn der Konsument wisse, wie viel Arbeit dahintersteckt und welche Menschen hinter den Produkten stehen, so Perathoner.
Er stellte die Hauptsorten Roggen, Weizen und Dinkel vor, gab Ratschläge zu Bodenpflege und Saatgut, sowie zur Lagerung und Backfähigkeit der einzelnen Getreidesorten.
Einen „Schritt in die Vergangenheit“ haben inzwischen einige, wenige Obervinschger Bauern gewagt, indem sie begonnen haben, kleine Flächen mit heimischem Getreide anzubauen.
So auch Cilli und Othmar Folie aus Prad.