Vorausgesetzt die Samstagsreden waren keine Sonntagsreden
Graun ist eine besondere Gemeinde – nicht nur im Vinschgau. Sie macht einmal erfolgreiche Kirchturmpolitik mit ihrem Turm im Wasser, zum anderen leistet sich die 2.400-Seelen-Gemeinde drei Betreibergesellschaften von Wintersportanlagen. Auf der Haideralm, auf Schöneben und auf Maseben wird Ski gefahren und gerodelt. Wintersport betrieben wird im knapp zwei Kilometer entfernten Nauders ebenso wie auf dem wenige Kilometer südlich gelegenen Watles. Dazu wird als Vision auch noch der Zusammenschluss mit dem Kaunertal beschworen. Wie es seit letzten Samstag ausschaut - vorausgesetzt die Samstagreden sind keine Sonntagsreden -, könnte gerade aus der Gemeinde mit den vielen „Kirchtürmen“ ein Signal nach Bozen gesandt werden, das die Vinschger in ein besseres Licht rücken, den Obervinschgau in eine bessere wirtschliche Lage bringen und die Grauner allesamt zu Siegern machen könnte.
Der oberste Bürger des Landes hat‘s gesagt, der erste Bürger der Gemeinde hat’s gefordert: es muss sich eine Gesellschaft bilden in der Gemeinde und es sollten skitechnische Zusammenschlüsse umgesetzt werden. Wenige Stunden später hat mich ein Gespräch in der Stadtgemeinde Glurns nachdenklich gemacht. Sobald der Gesprächspartner, ein Malser Gemeindebürger, gehört hatte, dass man im Oberland zusammenschließen will und wird, war seine erste Reaktion: „Dann geht’s uns auf dem Watles schlecht.“ Das Kirchturmdenken feiert auch im vieltürmigen Mals fröhliche Urständ. Dabei müsste man nur die Marteller Gastronomen fragen. Seit das Skicenter Latsch geschlossen hat, herrscht an Wochentagen gähnende Leer im Plima-Tal. Für den derzeitigen Bettenmangel in Graun müsste auf jeden Fall in den Betrieben der Nachbargemeinden Ersatz gesucht werden. Es kommen mehr Wintersportler ins Tal, es suchen unter mehr Wintersportlern immer welche etwas Anderes, etwas Neues. Der Watles hat seine Stärken.
(s)