Statt zum Einzug kam es zum Auszug
Publiziert in 22 / 2010 - Erschienen am 9. Juni 2010
Laas – Flexibilität in der Handhabung der Tagesordnung war angesagt in Laas, als die sechs Räte der Bürgerliste – Gottfried Fleischmann, Andrea Perger Puintner, Priska Lechner Kuntner, Toni Perfler, Markus Riedl und Benedikt Zangerle - ein Zeichen des Protestes setzten und die konstituierende Versammlung im Josefshaus verließen. Es waren etwa 40 Minuten der Sitzung vergangen, als Priska Lechner Kuntner zum Tagesordnungspunkt 4 eine Stellungnahme verlas, in dem die Räte der Bürgerliste ihre Enttäuschung darüber ausdrückten, „dass Bürgermeister Andreas Tappeiner 29,2 Prozent der Wähler übergeht, obwohl wir unsere Bereitschaft zur Mitarbeite schriftlich hinterlegt haben“. Dies sage Einiges aus über das Demokratieverständnis des Bürgermeisters und über seine Wertschätzung den Gemeinderatsmitgliedern gegenüber, hatte die Bürgerliste in der Stellungnahme zu Papier gebracht. Es wurde das „Phänomen der Freunderlwirtschaft“ angeführt und von Missachtung des Wählerwillens geschrieben. „Mit diesem Trauerspiel im Zusammenhang mit der Ernennung des Gemeindeausschusses wollen wir nichts zu tun haben“, schloss die Stellungnahme. Auf Anfrage wurde auf „die Tatsachen“ verwiesen, dass drei der ersten sechs in der Liste der Gewählten der Bürgerliste angehören und dass mit Alois Tscholl ein SVP-Vertreter in den Ausschuss ziehe, der seit den Wahlen im Jahr 2000 kontinuierlich an Stimmen verloren habe, unter anderem 82 allein von 2005 auf 2010. Mit der Gruppe zog auch das vorsitzende, älteste Ratsmitglied in der Person von Gottfried Fleischmann aus Eyrs von dannen. Für ihn musste der genannte Alois Tscholl von der SVP-Liste Laas-Allitz-Tanas in die Bresche springen.
Bürgermeister Andreas Tappeiner hatte in der Zusammensetzung seines künftigen Ausschusses mit einer Ausnahme das Abschneiden der Kandidaten der Südtiroler Volkspartei und die Laaser Besonderheit der Dorflisten berücksichtigt. „Die Erfahrung, dass die Bürgerliste einbezogen wurde, im Ausschuss mitgestimmt und im Rat dann Opposition gemacht hat, haben wir schon gemacht“, begründete Tappeiner, „wir wollen die anstehenden Projekte mit einer kompakten SVP-Gruppe angehen. Die Bürgerliste hat überhaupt kein Programm präsentiert.“
Die Geschicke der Marmor-Gemeinde liegen in den nächsten fünf Jahren in den Händen von Bürgermeister Tappeiner, Markus Hauser (Liste Tschengls), Verena Tröger, Hubert Telser (Liste Eyrs), Reinhard Spechtenhauser, „Youngster“ Ralf Muther und des früheren Laaser SVP-Ortsobmannes Alois Tscholl.
Günther Schöpf