Post von Dieter

Publiziert in 23 / 2010 - Erschienen am 16. Juni 2010
Genauso pünktlich wie der Kuckucksschrei im Frühjahr zieht Juni für Juni die große Alkohol-Diskussion ins Land. Regel­mäßig wird vor Schulschluss ins moralische Horn geblasen. Dabei ist es beileibe nicht so, dass Jugendliche nur zum Schulschluss saufen. Nein, viele trinken auch zu anderen Zeiten, zum Abschluss des Schuljahres aber „etwas“ mehr. Warum auch nicht? Manche Erwachsene schütten sich nach jedem Arbeitstag zu. „Wieder einmal aktuell machen“ wollte der neue Schlanderser Bürgermeister Dieter Pinggera die Problematik des Alkoholausschankes an Minderjährige mit einem Schreiben, das allen Gastbetrieben und Lebensmittelgeschäften noch vor Schulende ins Haus flatterte. Der Brief trägt auch die Unterschrift von Verantwortlichen aus dem Schul-, Bildungs- und Sozialbereich. Wie es im Schreiben heißt, unterstützt die Gemeindeverwaltung das Bemühen des Bildungsausschusses, mehrerer Vereine, Schulen und Einrichtungen, die sich derzeit mit einigen Projekten der „gemeindeorientierten Präventionsarbeit“ befassen. Im Rahmen dieser Arbeit „werden die Ordnungskräfte zu vermehrten Kontrollen (Schulende!!!) angeregt werden.“ Erst kürzlich sei bei einem Treffen festgestellt worden, „dass Jugendliche unter 16 Jahren in manchen Gastlokalen und Geschäften problemlos Alkoholika konsumieren bzw. erwerben können.“ Im Brief wird an das Landesgesetz vom 18. Mai 2006 (Maßnahmen im Bereich der Abhängigkeiten) erinnert. Ich nehme an, dass die Gastwirte und Kaufleute dieses Gesetz sehr genau kennen. Insofern kann das Schreiben wohl unter dem Ordner „Was nichts nützt, schadet auch nicht“ abgelegt werden. Mit Gesetzen, Verboten und Kontrollen lässt sich in den Köpfen der jungen Menschen nichts ändern: Jeder Minderjährige, der es wirklich will, kommt zu seinem Wodka. Das Problem sitzt viel tiefer. Junge Menschen sehen, was die „Großen“ machen und wenn auch sie merken, dass sie ohne Alkohol nicht mehr so leicht lachen oder tanzen können, sind auch sie „groß“ geworden und dazu bereit, ihren Kindern ein „großes“ Beispiel zu sein. Aber malen wir nicht den schwarzen Peter an die Wand, sondern warten ab, was die „gemeindeorientierte Präventionsarbeit“ bringt.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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