Ein kleines, rundes Ding kann die Welt verändern

Publiziert in 26 / 2010 - Erschienen am 7. Juli 2010
Der G-20-Gipfel in Kanada, die Präsidentenwahl in Deutschland, Berlusvconis Dementi einer anrüchigen Party mit Gogo-Tänzerinnen in Brasilien, der vorerst gestoppte Anlauf von Biancofiore, den „Kapuzinerwastl“ in Bruneck unter besonderen Schutz zu stellen, Sparpakete, heiße oder weniger heiße Gemeinderatssitzungen: Politik ist alles und zugleich „nichts“. Zurzeit jedenfalls ist es ein kleiner, runder Ball, der unseren viel größeren, aber nicht ganz so runden Ball, auf dem wir atmen, in Atem hält. Auch wenn es viele Menschen gibt, die für Fußball nichts übrig haben, kann sich wohl kaum jemand dem Phänomen ganz entziehen. Zumindest nicht dort, wo es Fernseher, Radios und Zeitungen gibt. Die Fußball-WM ist tatsächlich ein Phänomen. Wir dürfen für ein paar ­Wochen alle Kinder sein. Wir dürfen spielen, lachen, weinen. Wir dürfen enttäuscht sein, wir dürfen siegen oder verlieren. Theoretisch können alle, die mitspielen, verlieren oder gewinnen. Die Mannschaften werden von WM zu WM bunter. Wer fragt da noch nach Hautfarbe, nach Herkunft, nach „Rasse“? Diese Frage stellen sich sicher einige, in der Mehrzahl aber wohl nur insgeheim, weil sie wissen, wie die Antwort heißt, und weil diese Antwort seit dem 11. Juni fast täglich vor zig Millionen Menschen durch die Stadien getragen wird: „Sag nein zum Rassismus“. Kollektive Spielfreuden, wie sie uns derzeit das kleine, runde Ding beschert, dringen tief in die Herzen ein. Fast die ganze Menschheit spielt mit. Hat die Politik Ebenbürtiges zu bieten? Und weil wir schon wieder bei der Politik sind: Das kleine, runde Ding kann auch in Südtirol dazu beitragen, dass die Angst vor dem Fremden, die in unserem Land groß ist (siehe Erhebung zum Extremismus), etwas kleiner wird. Das will aber bei Gott nicht heißen, dass man nicht zu Deutschland oder­ ­welchem Land auch immer halten darf. Sepp Laner (redaktion@dervinschger.it)
Josef Laner
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