Der touristische Vinschgau braucht das Netz, aber nicht nur das weltweite

Publiziert in 27 / 2010 - Erschienen am 14. Juli 2010
Das Beispiel mag etwas schräg klingen und weit hergeholt anmuten, aber es ist immerhin aktuell. In weiten Teilen des ­Vinschgaus, des Verwaltungsbezirks, steigen seit Wochen Apfel­zupfer auf ihre Leitern und übersehen genau die Früchte, die ihnen vor der Nase hängen. Nachdem der Herr Doktor Engl und seine zwei Alexandra’s von eMails, User, Twitter, Blogger, von Webseiten und YouTube-Videos geschwärmt und von erfolgreichem Online-Marketing in der elektronischen Info Guide-Welt, von sozialen Netzwerken, von Facebook, Xing und Suchmaschinen-Optimierung erzählt hatten (siehe Seite 8), ging mir die Frage durch den Kopf: Könnten die vielfältigen, fast nicht mehr überschaubaren Möglichkeiten der Online-Welt nicht von unseren vielen kleinen­ ­Vinschger Unzulänglichkeiten, die uns vor der Nase hängen, ablenken? ­Nebeln die Suche nach den Urlaubsvorstellungen der Internetnutzer und das Ausschwärmen ins weltweite Netz nicht wieder das eigentliche Hauptproblem, den mangelnden Zusammenhalt im Tal, ein? Kann es geschehen, dass man vor lauter Facebooken, Twittern und Bloggen vergisst, zuerst alle jene, die der Vinschgau durch Kultur, Klima und Landschaft anlockt, auch mit Freundlichkeit zu begegnen? Ist es zu normal, dafür zu sorgen, dass man in einer Gemeinde von einer Ortschaft zur anderen auch zu Fuß gehen kann? Ist es unter der Würde eines digital versierten Touristikers, dafür zu sorgen, dass der Besuch einer „Top-Kulturstätte“ nicht nur in der virtuellen Welt angepriesen, sondern auch in der realen Welt möglich ist? Noch etwas ist mir eingefallen. Wir brauchen die Vernetzung, ganz sicher, aber zuerst nicht die weltweite, sondern die bezirksweite. Viele Tourismus-Players waren in Schlanders anwesend und überraschend viele Bürgermeister oder deren Stellvertreter, aber es war nicht die Zeit und nicht das Thema, endlich auf die schleppende Vernetzung der Tourismuswirtschaft im Vinschgau einzugehen. Ansätze gab es. Da war die Frage eines Bürgermeisterneulings, der wissen wollte, an was es denn liege, dass der Vinschgau so schlecht aufgestellt sei. Da war klar formulierte Kritik aus den eigenen Reihen oder der ebenso klar formulierte Ratschlag des SMG-Direktors, es braucht für den Vinschgau eine klare Regie. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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