Sommerferien in Laas

Publiziert in 31 / 2010 - Erschienen am 8. September 2010
Laas – Myzoten, Heliotrophen, Smörfs, Gumpfoten. Wer die Arbeiten der ehemaligen ­Schüler der Fachschule für Steinbearbeitung in Laas, Julia Venske und Gregor Spänle, betrachtet, folgert: nicht nur die Namen sind eigenwillig. „Reimport/Sommerferien in Laas“ lautete der Titel der zweiwöchigen Ausstellung, in der die Arbeiten der Bildhauer Ferien in ihrem Herkunftsort Laas machten. Die Figuren, die Venske & Spänle schaffen, stehen der Namensgebung in Originalität in nichts nach. Die neugierig erscheinenden Wesen, denen organische anmutende Weichheit eingehaucht wurde, erschaffen einen eigenen Kosmos, worin sie eine durchaus eigenständige Rolle einnehmen. Sie sind als Begleiter der Menschen, so eine weitere Definition der steinernen Wesen, weltweit unterwegs und auf jedem Kontinent zu finden. Die Filmarbeit „Voyage congolaise“ gibt einen kleinen Einblick, wie der Figurenkosmos von Venske & Spänle agiert. Auf verschiedenen Frachtschiffen und kleinen Booten des Kongo, an Anlegestellen und nicht ungern auf Tresen kleiner Bars in Brazzaville, der Hauptstadt der Republik, finden sich die kleinen Laaser Gebilde. Sie greifen ein, nehmen teil oder interessieren sich - im Film mit neugierig anmutenden Bewegungen - für ihre Umgebung im und auf dem Kongo. Die Fotoarbeit in der Apsis der Laaser St. Markuskirche zeigt Stammesmitglieder aus der Republik Vanuatu im Südpazifik, deren Häuptling einen aus lokalem Korallenstein gefertigten Smörf in den Händen hält. Die Bewohner des Staates gelten übrigens laut einer Studie der New Economics Foundation als die glücklichsten der Welt. Weitere Eingriffe gibt es in die globale Produktpalette: Die Wesen ragen aus bedruckten Tragetaschen, aus panamesischen Bierflaschen oder aus dem Plastik­universum der Fastfood-Kette White Castle. Die Finissage am 22. August verdeutlichte, dass diese Wesen von unermüdlicher Reiselust und Neugierde getrieben zu sein scheinen. Ein Smörf schaffte es auf das Schützenfest in Eyrs, wo er schnell Kontakt mit den Feiernden aufnahm. Die Musikkapelle Eyrs stellte sich für das Gruppenbild mit Smörf vor die Kamera, das handliche Kerlchen aus Marmor ließ sich kurzzeitig neben Schützenhüten und auf der Tanzfläche nieder und freute sich einen strahlenden Sonnenberger Nachmittag lang über die hervorragende Position auf der Biertheke.
Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein

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