„Schpuuzmiil“

Publiziert in 31 / 2010 - Erschienen am 8. September 2010
1.200 Stunden hat der ­Marteller Leander ­Regensburger zusammen mit seinem Großvater Norbert Holzknecht an der Restaurierung einer alten Schpuuzmiil in Gand gearbeitet. Es handelt sich hierbei um eine Stockmühle, wie sie bereits vor Jahrtausenden erfunden worden ist. Das Wasserrad steht nicht wie bei den meisten Mühlen senkrecht, sondern befindet sich in einer waagrechten Position. So ist eine Mühle diesen Typs nicht von der Wassermenge auf den Schaufeln abhängig, sondern wird allein durch den Druck, das das Wasser ausübt, angetrieben. Die Schpuuzmiil in Gand wurde in einem steilen Gelände angelegt, um den natürlichen Wasserdruck auszunutzen und ist seit mindestens 1888 urkundlich belegt. Um eine solche Mühle allein könnte man eine kleine Dialektwörtersammlung zusammenstellen: Zunächst muss man das Miilwåsser über ein Miilråar inkäarn, beim ­eigentlichen Mahlvorgang gibt es dann die Gosse (den Aufschüttkasten; wahrscheinlich von mhd. goz, giezen), darunter befinden sich Laafer und Leeger (die Mühlsteine), im Paitlkåschtn wird das Mehl von der Grisch (die Kleie; vgl. ital. crusca) getrennt; im Grischrittler kann die Kleie weiter bearbeitet werden, um so die feinere von der grobkörnigeren zu trennen – um nur einige Wortbeispiele zu nennen. Das Mehl wird dann zum Brotbacken verwendet. Bleibt nur zu hoffen, dass das Brot rougla oder zuugwåach ist und nicht knotthert wird. z
Christian Zelger
Christian Zelger

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.