Es geht nicht nur in Goldrain rund, wenn Radfahrer nach Latsch einbiegen.

Opposition macht sich für Wirtschaft stark

Publiziert in 31 / 2010 - Erschienen am 8. September 2010
Latsch – Zum ersten Mal seit den Wahlen im Mai waren bei der Sitzung am 27. August alle 20 Latscher Volksvertreter anwesend. Sie hatten sich in sechs Punkten mit der Besetzung von Verwaltungsorganen durch Vertreter aus dem Gemeinderat zu befassen. Zu einer Diskussion und einer geheimen Wahl kam es im Falle der Gemeindebaukommission. „Uns ist wichtig, von einer Person informiert zu werden. Wir schlagen einen Fachmann vor“, hatte der Sprecher der Freiheitlichen Sepp Kofler erklärt. Dem Bauzeichner Jürgen Pichler war keine SVP-Stimme gegönnt; die Mehrheit zog die Räte Stephan Bauer aus Goldrain und Harald Plörer aus Morter vor. Ebenfalls sechs Punkte der Tagesordnung betrafen das Thema Raumordnung. Bei der Erweiterung des Friedhofs in Tiss mit Bau eines Aufbewahrungsraumes musste der Bauleitplan geändert werden, bei der Genehmigung eines überdachten Unterstandes in der Zone Montani der Landschaftsplan. Bei zwei Abänderungen des Durchführungsplanes in Wohnbauzonen – Tarsch und Goldrain – lagen Eingaben von Anrainern vor. Im Falle von Goldrain stellte sich der Rat auf die Seite des Bauwilligen, im Falle von Tarsch ließ er die Einwände der Anrainer gelten. Dazu erwähnte Bürgermeister Karl Weiss jedes Mal, dass über Rekurse jede Partei auch den Gerichtsweg beschreiten könnte und daraus Verzögerungen von Jahren zu erwarten seien. Nicht einverstanden war der Freiheitliche Sepp Kofler mit der 3. Bilanzänderung, um Mehrausgaben für den Bau einer Speerwurfbahn, einer Startrampe für die Bewerbsgruppe der Feuerwehr, einer Beregnungsan­lage und einer Dammerhöhung in der Sportzone abzudecken. Zum selben Punkt gehörte die Umbuchung von 75.000 Euro für Einrichtungen in der neuen Grundschule von Tarsch. Nur dadurch könne am 6. September der Unterricht beginnen, erklärte aber Schulreferentin Andrea Kofler. Vorgesehen war der Betrag für die Planung des Kindergartenneubaus in Latsch. Im Zusammenhang mit dem Bau des Kunstrasenplatzes machte Rat Helmut Fischer auf den Umstand aufmerksam, dass kein Rettungshubschrauber mehr auf dem ehemaligen Trainingsplatz landen könne. In eine wirklich heiße Phase ging die Gemeinderatssitzung erst bei Punkt Verschiedenes. Bürgermeister Karl Weiss wartete mit einer Erfolgsmeldung auf und berichtete von der einvernehmlichen Lösung auf dem Radweg-Abschnitt Goldrainer See bis Tisser Brücke mit Verlegung eines Speicherbeckens und der Trassen des Latschanderwaales und der Via Claudia Augusta. Die Räte Stephan Bauer und Lukas Rizzi hielten mit den chaotischen Zuständen am Platzl, am Kreisverkehr in Goldrain und in der Industriezone von Latsch dagegen. Re­ferent Christian Stricker gab bekannt, dass die Beschilderung auf der bisherigen Radroute über Morter vorläufig bestehen bleibe. Referent Walter ­Theiner griff das Thema „Radweg durch Latsch“ auf und merkte an, dass noch kein machbarer Lösungsvorschlag eingegangen sei. Bürgermeister Weiss geriet leicht in Rage, als er von einem Gespräch mit den Kaufleuten und von deren unrealistischen Vorstellungen berichtete. Unterstützt von Referent Theiner sprach er die Verlegung einer Brücke gegen Westen an, um eine Anbindung über die so genannte „Schusslinie“ des früheren Schießstandes zur Bahnunterführung am Vereinshaus zu ermöglichen. Als Oppositionssprecher Kofler einwandte: „Jetzt wäre es Zeit, eine Studie machen zu lassen, um möglichst viele Gasthausbetreiber und Kaufleute zufrieden zu stellen“, kam es recht heftig vom Bürgermeister zurück: „Dann tun wir zehn Jahre nichts mehr. Der Landeshauptmann ist froh, wenn wir Studien machen lassen.“ Rat André Pirhofer (F) sah einen Denkfehler, wenn man zuerst den Radweg baue und dann erst versuche, die Radfahrer ins Dorf zu leiten. Man müsse die Radfahrer im Dorf behalten wollen und dann erst auf die Radwegtrasse schauen, zeigte er sich überzeugt. „Die Wirtschaft braucht den Radweg durchs Dorf“, fügte auch Referent Hermann Raffeiner Kerschbaumer hinzu.
Günther Schöpf
Günther Schöpf

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