Seifenblase der Marke „F“

Publiziert in 33 / 2010 - Erschienen am 22. September 2010
Wo bleibt die Gleichheitsbehandlung? Warum wird für ausländische Schulkinder anderen Glaubens eine Sonderregelung gewährt? Mit diesen Fragen machte am 14. September die Landtagsabgeordnete der Freiheitlichen, Ulli Mair, auf sich aufmerksam. In einer Presseaussendung ebenso wie in einer Landtagsanfrage. Sie hätte Auskunft darüber erhalten, dass an einer Südtiroler Schule ausländischen Schulkindern anderen Glaubens der Samstag als schulfreier Tag gewährleistet werde, während alle einheimischen Schüler an diesem Tag ihrer Schulpflicht nachkommen müssten. „Die Eltern regen sich maßlos darüber auf, weil dies wenig mit Integration oder mit einer Gleichbehandlung von Schülern zu tun hat. Im letzten Jahr stellten einheimische Eltern an derselben Schule die Forderung nach der 5-Tage-Woche, sprich nach dem schulfreien Samstag. Diese Forderung wurde jedoch von der Schule abgelehnt und niedergestimmt. Wer wird hier diskriminiert? Wer fühlt sich für die Anliegen, das Unverständnis und die Wünsche der Einheimischen verantwortlich? Ist das die viel gepriesene Integration, mit der uns das politische Establishment beglücken will?“, so Mair. Die von ihr gemeinte Grundschule befindet sich in der westlichen Landeshälfte. Der zuständige Direktor bestätigte auf Anfrage, dass die in der Aussendung ge­tätigten Angaben überhaupt nicht stimmen: „Es handelt sich weder um Ausländer noch um Angehörige muslimischen Glaubens noch um die angebliche Verweigerung der geforderten 5-Tagewoche durch die Schule, noch darum, dass diese Forderung im letzten Jahr gestellt worden wäre.“ Die mit „Ungleiche Behandlung an einer Südtiroler Schule“ betitelte Pressaussendung war somit offensichtlich nur eine Seifenblase der Marke „F“. Geplatzt ist wohl auch der Versuch von Ulli Mairs Parteikollegen Pius Leitner, die unselige Polemik rund um Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ über den Alpenhauptkamm nach Südtirol zu zerren. Wenn das alles ist, was die „F“-Leute mit einem „heißen Herbst“ meinen, braucht man sich wohl nicht besonders warm anzuziehen. Einen heißen Herbst im Sinne der Temperaturen wünsche ich indessen den vielen Apfelpflückern, die nun ins Land reisen: gelebte Integration unter milder Herbstsonne.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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