Mals – „Tilman war schon weg, aber ich war noch in Kolumbien. Und wollte ein Foto haben, wo die Waffen oder die Drogen oder die Gewalt sichtbar wurden“, berichtet die Fotografin Antonia Zennaro, in Berlin geboren, mit Pustertaler Wurzeln, in Bozen aufgewachsen.
Hintergrund: ein zweiwöchiger Aufenthalt in der Comuna 13, eines der Armenviertel von Kolumbiens zweitgrößter Stadt. Wie gefährlich die Energie ist, die Mateo und seine Freunde in ihr Projekt Elite de Hip Hop stecken, wird in den Erzählungen der Fotografin deutlich. Das Projekt versucht mit Graffiti und einer Hip Hop-Schule andere Jugendliche von einem Leben ohne Gewalt und der Drogenmafia zu überzeugen. Das allerletzte Foto, jenes mit Waffen und Kokain, mit Gewalt und Blut, wollte ihr nicht gelingen. Kurz bevor sie sich mit Bandenmitgliedern treffen wollte, beschlagnahmte die Polizei Drogen und verhaftete Bandenmitglieder. Der Wille zu diesem letzten Treffen vor dem Abflug nach Deutschland zeigt auch, wie viel Engagement und gründliches Arbeiten hinter dieser Berichterstattung steckt. Das ist es auch, was die Autoren von Peace counts auszumachen scheint. Das von Micheal Gleich 2002 initiierte Projekt lässt Fotografen und Autoren weltweit diejenigen aufspüren, die in Krisengebieten und Konfliktherden Möglichkeiten zur Verständigung, zum Frieden oder zur Aussöhnung aufzeigen. Dass die Berichterstattung der beiden Journalisten weit über die üblichen Parameter des Berufes hinausgeht, verdeutlichen die Worte von Tilman Wörtz, Autor der Reportage „Mateo will nicht sterben“ und Geschäftsführer von Zeitenspiegel, wenn er sich vorstellt, welche Zukunftsszenarien für die Jugendlichen aus der Comuna 13 unter vielen anderen möglich wären: „Einzelne Unternehmer beeindruckt das Bemühen dieser Jugendlichen, ihr Leben verändern zu wollen. Sie sponsern die Hip Hop-Schule mit Stipendien für die Lehrer“. Es ist die eigene Verbindung zur Sinnhaftigkeit des Dargestellten, ohne die die Autoren nicht arbeiten könnten. Materieller Erfolg der Geschichten durch eine Publikation würden dem Projekt nicht schaden. Doch bislang konnte keine Zeitschrift dazu bewogen werden.
Die Geschichten kommen jedoch dorthin zurück, wo sie geboren wurden.