Wenn die Behandlung beendet ist, und die Gefahr vorüber zu sein scheint, kann die Tragweite dieser Belastung in vielfältiger Weise auftauchen.
Menschen reagieren auf die Diagnose Krebs sehr unterschiedlich. Besonders in der Frage nach dem „Warum?“ unterscheiden sich Frauen und Männer voneinander. Stimmt das wirklich?
Viele Menschen, vor allem Frauen, suchen die Schuld für die Erkrankung bei sich selbst. Sie haben Angst, etwas falsch gemacht zu haben. Es beginnt ein Prozess von Verzweiflung und Zuversicht, von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Die Betroffenen fragen sich „warum gerade ich?“; sie haben Angst vor Tod und Leiden und Angst um ihre Familie.
Männer suchen meist weniger nach persönlichen Gründen für die Tumorerkrankung. Sie suchen Lösungen, machen, was zu machen ist, eine Verhaltensänderung ist meist nicht nötig. Männer werden emotional von ihren Frauen und von der Familie versorgt. Sie gehen weniger aus sich heraus, Trauer, Angst und ähnliche Gefühle sind bedrohlich, weil sie Männer scheinbar handlungsunfähig machen. Reden hilft nicht, ist nicht lösungsorientiert.
Für Frauen hingegen bringt Reden Erleichterung. Verständnis gibt Sicherheit und wirkt der Einsamkeit entgegen. Männer können dies häufig nicht nachvollziehen und daher ihre Partnerinnen auch nicht genügend unterstützen. Erkrankte Frauen müssen vielfach erst lernen, ihre Bedürfnisse den Partnern deutlich mitzuteilen, damit sie verstehen, was ihnen wirklich hilft und was sie in dieser Situation benötigen. Auch hier kann eine Unterstützung durch Psychologen sinnvoll sein, um die Partnerschaft in solch schwierigen Situationen zu stützen und das gegenseitige Verständnis zu verbessern. Denn es liegt ja nicht daran, dass Partner nicht helfen wollen, bloß denken Frauen und Männer oft anders. In Krisensituationen muss oft erst eine neue, sinnvolle Kommunikationsbasis geschaffen werden. Gute Beziehungen wachsen durch eine Tumorerkrankung, solche, die nicht gut funktionieren, riskieren, noch schlechter zu werden, weil die Vertrauensbasis aufgrund mangelnder Unterstützung noch brüchiger werden kann. Eine Tumorerkrankung muss von Anfang bis zum Ende, in jeder Phase ein Problem für beide Partner sein, ansonsten leidet die Beziehung darunter.