In unserer Gesellschaft, wo der Tod so tabuisiert ist, wo es wenig Worte darüber gibt, haben wir nicht gelernt, uns auf den Tod gut vorzubereiten.
Was kann der Einzelne tun?
Im Angesicht des Todes wird erlebt, dass das Leben nicht unendlich ist. Man wusste es im Kopf, jetzt wird es aber spürbar erlebt. Und das hat eine völlig andere Wirkung. Menschen, die mit der Diagnose Krebs gelernt haben zu leben, verändern häufig ihre innere Einstellung zum Leben. Sie leben bewusster und dankbarer. Es ist so, als könnten sie das Leben plötzlich aus einem anderen Blickwinkel betrachten und genießen. Es kann oft viel klarer unterschieden werden wofür es sinnvoll ist, sich einzusetzen, und wo es völlig überflüssig ist, die eigenen Energien weiterhin zu verschwenden.
Manche Menschen schaffen es auch, Situationen zu verändern, die schon lange seelisch belastend waren. Wieder andere verändern ihre Ernährungsgewohnheiten und beginnen sich auch körperlich zu betätigen um eventuellen Rückfällen vorzubeugen. Alles was Betroffenen das Gefühl gibt, selbst etwas gegen die Tumorerkrankung zu tun, ist sinnvoll und stärkt das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit. Und es wirkt dem Gefühl entgegen, der Krankheit total ausgeliefert zu sein.
Wie sag ich`s meinem Kind?
„Der Vinschger“: Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt? Wie wichtig ist die Wahrheit für ein Kind?
Norbert Längerer: Jeder dritte Krebserkrankte hat bei der Diagnose noch Kinder, die zuhause leben. Kinder bekommen alles mit, denn sie haben feine Antennen und können sofort spüren, wenn es einem Elternteil nicht gut geht. Wenn Eltern etwas verschweigen, dann bemerken das die Kinder. Wenn sie die Wahrheit von anderen erfahren, was meist unausweichlich ist, dann verlieren sie das Vertrauen und verlassen sich nicht mehr auf das, was Eltern sagen. Wenn Eltern ihr Kinder vor Unsicherheit und unnützer Angst bewahren wollen, dann müssen sie sich der Wahrheit stellen und die Kinder altersgerecht informieren. Wichtig ist dabei, dass Kinder aufgerufen werden, ihr Leben wie bisher weiterzuleben, weiterhin Freunde zu besuchen, zu lachen und glücklich zu sein. Kinder reagieren auch nicht immer gleich, vor allem kleinere Kinder können für uns Erwachsene oft unerwartet reagieren, und es kann der Eindruck entstehen, dass sie es nicht richtig wahrnehmen.