25 Jahre Wasserkatastrophe Martell: Der 24. August 1987 sollte kein gewöhnlicher Endsommertag in Martell werden, es wurde ein Tag, der das Leben der Marteller Bevölkerung aus den Fugen brachte.
Immer wieder wurde das Martelltal von Überschwemmungen heimgesucht, auch im 20. Jh. kam es zu etlichen Hochwassern. Durch die Wildbachverbauung in der Mitte der 1950er Jahre sollten diese ein Ende haben. Bis in den 80er Jahren wurde die Plima von der Gand bis nach Trattla/Salt bereinigt und teilweise mit Ufermauern versehen.
Die Katastrophe
Im Gegensatz zu den Katastrophen im 20. Jahrhundert, die durch die Natur verursacht wurden, kam es im August 1987 zu einem von Menschenhand gemachten Desaster. Am 24. August 1987 hatte das lange Zögern beim Öffnen der Schleusen des Stausees, Profitgier und mangelhafte Vorkehrung der Betreibergesellschaft SELM eine Katastrophe heraufbeschworen.
Im Juli 1987 war es in Südtirol aufgrund der Hitze zur Schmelze des in den höheren Lagen gefallenen Neuschnees und der Gletscher gekommen. Auch Niederschläge trugen bei, dass sich der Zufritt-Stausee in Hintermartell füllte. Dieses Wasser aus den Niederschlagstagen im Juli blieb bis August im Becken, sodass es bis zum Rand gefüllt war. Am 24. August regnete es den ganzen Tag. Der Stausee drohte über seine Ufer zu laufen. Am Nachmittag soll das Wasser dann einen halben Meter in der Stunde angestiegen sein, was bedeuten würde, dass insgesamt 500.000 m³ Wasser in den See flossen. Die Strombetreiber zogen aber lediglich 25.200 m³ in der Stunde ab. An diesem Tag war Giovanni Spada allein als Stauwächter im Dienst. Der zweite Wächter, Adolf Altstätter, war wegen einer Beerdigung nicht vor Ort, obwohl laut Vorschrift immer zwei Wächter anwesend sein mussten. Spada hatte mehrmals die zuständigen Behörden über den Stand des Wasserpegels informiert und vorgeschlagen, die Überlaufschleusen zu öffnen. Dies wurde jedoch von den Technikern in Kastelbell und Bozen abgelehnt, da sie hofften, dass die lang anhaltenden Niederschläge nachlassen würden. Als es am Abend immer noch regnete, wurden der Überlauf schließlich geöffnet, jedoch konnte dieser die Wassermassen nicht mehr schlucken. Um 20.30 Uhr wurden zusätzlich die Grundschleusen geöffnet.