Treffen der Vinschger Chronisten in Graun
Publiziert in 21 / 2013 - Erschienen am 5. Juni 2013
Neue Wege in der Fortbildung der Chronisten
Mit einer guten Chronik ist es wie mit einem guten Stück Speck: Erst nachdem er gut geräuchert, abgehangen und richtig getrocknet ist, weiß man, was er wert ist. So ist es auch mit der Gemeindechronik: Erst die nachfolgenden Generationen können den Wert einer Chronik erfassen und schätzen. Zu ihrem Bezirkstreffen, das unter dem Motto „Mehr Erfahrungsaustausch und hinaus in die Chronistengemeinden“ stand, kamen die Vinschger Chronisten in den oberen Vinschgau. Sie wollten sich über die Seestauung und die Verteidigungsanlagen am Reschenpass informieren. Nach der Begrüßung seitens des Vorsitzenden der Chronistengruppe Graun, Wolfgang Thöni, des Bezirkschronisten Erwin Altstätter und des Landeschronisten Robert Kaserer gab es einen regen Erfahrungsaustausch mit vielen Anregungen, wie die Tätigkeit des Chronisten ausgebaut, ergänzt und verbessert werden könnte. Bezirkschronist Erwin Altstätter regte an, mit den älteren Gemeindebürgern Kontakte zu pflegen, ebenso mit den zuständigen Gemeindereferenten, denen die Bedeutung der Gemeindechronik deutlich gemacht werden soll. Er lobte auch die gute Zusammenarbeit mit dem Vintschger Museum, wo auf Anregung der Schützen und gemeinsam mit dem Ortler-Sammelverein 1. Weltkrieg eine interessante Ausstellung von Relikten der Ortlerfront organisiert wurde. Besonderes Lob gab es dabei für Museumspräsidenten Kristian Klotz und „Museumshexlein“ Gabi Obwegeser. Robert Kaserer gab einen kurzen Rückblick auf die Höhepunkte seiner Amtszeit, während der das Chronistenwesen auch auf Landesebene viel stärker wahrgenommen und auch gefördert worden sei. Er schlug vor, auch an die Möglichkeit einer Hof-, Betriebs-, Vereins- oder Schulchronik zu denken, die Einblicke in das Alltagsleben vermitteln soll. Kaserer kündigte auch an, dass er für eine weitere Amtsperiode als Landeschronist nicht mehr zur Verfügung stehen wird und sich die Chronisten auf die Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit machen sollen. Die Chronisten sollten auch daran denken, mit Bibliotheken, Bildungsausschüssen und Bildungseinrichtungen zusammen zu arbeiten. Die Teilnehmer am Bezirkschronistentag wurden sodann von Peter Pircher mit einem Kurzfilm, erstellt als Projekt der Mittelschule St. Valentin unter der Leitung von Othmar Pider, über das Drama der Seestauung informiert und durch das außerordentlich interessante Grauner Museum geführt. Höhepunkt des Chronistentreffens war der Besuch des Bunkers 20 in der Verteidigungsanlage Reschenpass, wo Ludwig Schöpf eine fachkundige und spannende Führung bot. Abgeschlossen wurde die Veranstaltung schließlich mit einer schmackhaften, unterirdischen Bunkermarende.
Friedrich Haring