„Jetz’ ist der Krieg bald aus, weil sie d’Bah’ baue“
Eine Bahn für den Krieg
Die Vinschgaubahn ist ein Thema, das die Vinschger Bevölkerung schon seit eh und je in ihren Bann gezogen hat und es auch immer noch tut. Ursprünglich wäre eine Bahn von Meran über Mals bis nach Landeck geplant gewesen, mit Anschlüssen an die Schweiz. Es
gab bereits detaillierte Vorprojekte, die diese Möglichkeiten aufs Genaueste berechneten. Man war sich auch im Klaren darüber, dass eine Sackbahn bis Mals nicht sehr rentabel sein würde. Nur eine Bahn, die offen für Nordtirol und die reiche Schweiz war, würde auch Geld einbringen. Trotzdem sollte es schließlich anders kommen, da konnte der Schlanderser Bürgermeister und Vorsitzende des Aktionskomitees der Vinschgaubahn, Dr. Josef Tinzl, noch so sehr daran rütteln - Endstation Mals. Die Konzessionsurkunde vom 7. Juli 1903 sah eindeutig eine Lokalbahn von Meran bis Mals vor, die in vier Jahren Bauzeit errichtet werden sollte. Die Enttäuschung war groß. Es folgten Protestveranstaltungen und die Tiroler Abgeordneten wurden aufgefordert „im Reichsrat schonungslos jene Machenschaften aufzudecken, die eine systematische Verschleppung des Bahnbaues bewirkt hätten und gleichzeitig auf eine Verkürzung der Bauzeit zu drängen.“ Doch was Wien in dieser politisch turbulenten Zeit nicht brauchen konnte, waren aufgebrachte Tiroler, die ihren Bahntraum schwinden sahen. Also sagte das k.u.k.
Eisenbahnministerium in Wien in den folgenden Monaten eine Bauverkürzung auf zweieinhalb Jahre zu und außerdem wurde die Ausarbeitung eines Fortsetzungsprojektes bis Landeck in Auftrag gegeben. Die Bahn wurde dann zwar in zweieinhalb Jahren gebaut, doch nur bis Mals. Doch der Gedanke einer Verbindung zwischen Mals und Landeck geriet niemals ganz in Vergessenheit. Zweimal wurde sogar mit Bauarbeiten für eine Überschienung des Reschenscheideckes (wie der Reschenpass bis 1919 genannt wurde, weil er eine Wasserscheide in der Nordwestecke Südtirols darstellt) begonnen. Und zwar beide Male am Ende eines Krieges, des 1. und 2. Weltkrieges. Diese Tatsache, dass beide Male das Ende des Krieges mit einem Bahnbau verbunden war, brachten die Menschen des Tiroler Inntales ironisch glänzend zur Sprache. Der Spruch „ Jetz’ ist der Krieg bald aus, weil sie d’Bah’ baue“ war damals gang und gäbe.