Familien und Kinder haben keine Lobby
Publiziert in 45 / 2011 - Erschienen am 15. Dezember 2011
Latsch – Es war ein Randvermerk der letzten Gemeinderatssitzung in Latsch und er wurde vom Freiheitlichen Gemeinderat Thomas Pichler mit der Frage angestoßen: „Wie steht es um den Schießstand und um das Jugendzentrum?“
Jugendreferent Walter Theiner und Bürgermeister Karl Weiss teilten mit, dass der Jugendbeirat nicht für die Adaptierung des Schießstandes, sondern für den Neubau auf dem früheren Schwimmbadareal sei; die Jugend wolle es „lieber neu“. Auch die für Spielplätze zuständige Gemeinderätin Verena Rinner musste eingestehen: „Sie (die Jugendbeiräte) haben sich gegen den Schießstand gesperrt.“ Dies brachte die Leiterin der Grundschule und Vizedirektorin des Schulsprengels Latsch, Gisela Nagl, in Alarmstimmung. Sie stellte der Rätin Rinner und dem „Vinschger“ ein mehrseitiges Schreiben zu, das sie vor anderthalb Jahren, am 26. Juni 2010, der Referentin für Schule, Andrea Kofler, und Bürgermeister Karl Weiss überreicht hätte. Es war eine Reaktion auf den Punkt „Neubau des Jugendzentrums“ im Verwaltungsprogramm 2010-2015. Damals hatte sie versucht, gegen die Verbauung des heute „größten und am meisten genutzten Spielplatzes“ auf dem früheren Freibadgelände zu argumentieren. In ihrem Appell für den Erhalt von Freiräumen und Grünflächen schrieb sie: „Ich bin wirklich betroffen, wie wenig die Bedürfnisse der Familien, der Kleinkinder und der Mütter, die keinen eigenen Garten besitzen, berücksichtigt werden.“ Dem Brief war in Bild und Wort eine Liste jener Wohnblöcke beigefügt, die in letzter Zeit in Latsch ohne Spielmöglichkeit errichtet worden waren. Allein im Hauptort betraf es 10 Zonen oder Kondominien.
Günther Schöpf