Zahlreiche Personen schlossen sich dem Dorfrundgang an.
Daria Habicher, Luzia Tischler und Bürgermeisterin Roselinde Gunsch
Die Jury mit (v. l.): Szabolcs Bérci aus Ungarn, Marija Markeš aus Slowenien, Nadja Häupl aus Deutschland und Jenna Fellner aus Luxemburg.

Taufers greift nach EV!RA

Gemeinde bewirbt sich um europäischen Dorferneuerungspreis.

Publiziert in 10 / 2026 - Erschienen am 19. Mai 2026

Taufers im Münstertal - „Taufers ist, so wage ich zu behaupten, das selbstbewussteste Straßen- bzw. Durchzugsdorf des Vinschgaus und wohl weit darüber hinaus“, erklärte Daria Habicher bei der Vorstellung zur Bewerbung für den Dorferneuerungspreis EV!RA (European Village Renewal Award 2026) in der St.-Johann-Kirche. Eine internationale vierköpfige Jury war am 7. Mai nach Taufers im Münstertal gekommen, um sich ein genaueres Bild vom Ort zu machen. Der Preis, an dem seit 1990 rund 440 Dörfer, Gemeinden und interkommunale Allianzen aus 20 europäischen Staaten teilgenommen haben, steht unter dem Motto „All different. All together“ und wird zum 19. Mal vergeben. Taufers ist eine von 25 Gemeinden, die sich hierfür beworben haben, die einzige in Italien. Das Landesamt für Raum und Landschaft sei an die Gemeinde herangetreten und habe eine Bewerbung vorgeschlagen, da Südtirol lange nicht mehr bei diesem Preis vertreten war, blickte die Bürgermeisterin Roselinde Gunsch in ihren Grußworten zurück. In der Bewerbung setzte man auf das Motto „Vom Leben im Straßendorf – Gemeinsam erneuern und lebendig bleiben“. Dabei präsentierte die Gemeinde ihre Entwicklungsstrategie mit den Leitprojekten „20 Jahre Ortskernsanierung: Wettbewerb für vier öffentliche Gebäude“ und „Sanierung der Staatsstraße“. Taufers i. M. habe viele Schätze, von der Natur- bis zur Kulturlandschaft. Seit jeher sei der Ort an der Grenze zur Schweiz ein Straßendorf, erinnerte Gunsch. Es gelte dafür zu sorgen, dass das Dorf trotzdem lebenswert bleibe. 

Spagat zwischen Zulassen und Schützen

„Im Gegensatz zu den allermeisten anderen Gemeinden an der Staatsstraße hat sich Taufers gegen eine breit angelegte Umfahrung oder kostspielige Untertunnelung und für eine ‚Zähmung‘ der Straße entschieden“, so Daria Habicher, die für die Entwicklung der Bewerbungsstrategie beauftragt worden war. Taufers schaffe den Spagat zwischen Zulassen und Schützen, sei es im Bereich der urbanistischen, architektonischen sowie der wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Entwicklung. „Taufers weiß seinen Schatz, den wunderbaren Ortskern, zu schützen und gleichzeitig als Antwort auf konkrete Bedürfnisse der Menschen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität zu ergreifen.“ Die Gemeinde sei nicht nur Verwalter, sondern vor allem „Ermöglicher“. Taufers stehe „für einen beispielhaften Entwicklungsprozess im ländlichen Raum, geprägt von innovativen Ansätzen, grenzüberschreitender Kooperation und viel Engagement vonseiten der Gemeindeverwaltung und der Bürger/innen, die Ja zu ihrem Ort sagen und jeden Tag gemeinsam an seiner Resilienz arbeiten“, so das Fazit von Habicher.

„Straße bringt uns viel“

Luzia Tischler, Vorsitzende des Kulturvereins Tuberis, informierte über kulturelle Schätze und Historisches. „Wir leben mit der Straße, wir schätzen die Straße, sie bringt uns viel“, unterstrich sie. Das Dorf sei mit der Straße gewachsen. Die Dauerausstellung „Das Leben an der Straße“ in der St.-Johann-Kirche mache dies klar. Mit dem Besuch der Ausstellung begann für die Jury schließlich auch der Dorfrundgang. Die internationalen Gäste bekamen Einblick, was sich im Ort in den letzten 20 Jahren getan hat. Es wurden u.a. das sanierte und zu einem multifunktionalen Gebäude weiterentwickelte Rathaus, die neu errichtete Grundschule, das Vereinshaus sowie das 2024 eröffnete neue Gebäude mit Kindergarten und Feuerwehrhalle besichtigt. Auch lokale Partner der Gemeinde, darunter etwa Vereine, Ferienregion und Sozialdienste, schlossen sich an. Ende Juni wird die Jury zu einer Bewertungssitzung zusammenkommen, die Preisverleihung findet am 11. September in Tschechien statt. Der Dorferneuerungspreis wird von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vergeben.

Michael Andres

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