Bremsklötze in den Köpfen

Publiziert in 22 / 2010 - Erschienen am 9. Juni 2010
Ein bisschen Ski im Winter und etwas Wandern im Sommer. Auf diese Kurzformel lässt sich der Fremdenverkehr im Vinschgau sicher nicht reduzieren. Im Kern aber ist etwas Wahres dran. Wahr deshalb, weil die Möglichkeiten, die der Tourismus im Vinschgau in sich birgt, noch lange nicht erschöpft und zum Teil noch gar nicht richtig erkannt sind. Was Hand in Hand mit dem Bau des Radweges „Via Claudia Augusta“ geschehen ist, sehen wir alle: Tausende Radler treten täglich durchs Tal. Sie lernen den einzigartigen Vinschgau kennen und die teils nicht minder einzigartigen Vinschger. Sie essen und trinken, sie übernachten, sie lassen Geld hier. Was die meisten mitnehmen, kann uns allen nur recht sein: schöne Erinnerungen. Das Radwegenetz stärkt nicht nur den Fremdenverkehr, sondern die gesamte Wirtschaft. Diese ist schon seit einiger Zeit in vielen Bereichen auf Krücken unterwegs. Ähnliches wie vom Radweg darf man auch von der Vinschgerbahn behaupten. Sie fährt nach der Tragödie vom 12. April jetzt zwar wieder auf der ganzen Strecke, doch die Verknüpfung von Bahn und Rad ist heuer leider nicht mehr vorgesehen. Ein harter Rückschlag. Bleibt nur zu hoffen, dass die Kombi-Angebote zwischen Bahn und Rad künftig in ganz Südtirol eingeführt werden, wie es Landesrat Thomas Widmann verspricht. Reichlich spät - hoffentlich nicht zu spät - ist man im Vinschgau im Mountainbike-Tourismus auf den Zug gesprungen. Hier müssen sich Politiker und Funktionäre von Tourismus-Organisationen gleichermaßen an die Brust klopfen. Wie auch immer man zur Initiative von Martin Gruber, der auf eigenes Risiko erstmals eine Mountainbike-Karte für den Vinschgau aufgelegt hat (siehe ­Titelthema), stehen mag, steht eines fest: Es braucht offensichtlich immer wieder ­Private, die den Mut haben, voraus zu denken und voraus zu gehen. Was oft fehlt, ist der Zusammenhalt und das Bewusstsein, dass wir alle im ­gleichen Boot sitzen. Jeder profitiert, wenn es dem anderen gut geht. Kirchturmdenken, speziell in der Politik und im Geflecht der (zu) vielen Tourismusorgani­sationen, wirkt wie Sand im Getriebe. Noch mehr aber hemmen Bremsklötze in so manchen Köpfen sinnvolle Entwicklungen. Im Nachhinein weinen nützt nichts mehr, wenn uns andere Regionen auf allen Ebenen und Steilstücken überrundet haben. Sepp Laner (redaktion@dervinschger.it)
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.