Das Musterlandl verbrennt seine Musterbürger

Publiziert in 24 / 2010 - Erschienen am 23. Juni 2010
Das neudeutsche Wort für Ausgebranntsein, „Burnout“, geisterte wieder durch den Blätterwald. Es wechselt sich in stabiler Regelmäßigkeit mit dem Begriff Mobbing ab und betrifft ebenso regelmäßig Erziehungs-, Sozial- und Gesundheitsberufe. Dabei hätte Südtirol allen Grund, auf diese Berufssparten besonders stolz zu sein; wir sind Pisa-Spitze und im Sozial- und Gesundheitsbereich ein Vorzeigelandl. Das mit den höchsten Selbstmordraten wollen wir mal übergehen. Also weg damit und zurück zu unseren armen Kindergärtnerinnen, die es diesmal erwischt hat. 50 von 100 sollen Burnout-Symptome aufweisen. Als Ursachen wurden die Arbeiten nach der Arbeit genannt. Angeführt wurden die Treffen mit Eltern, die ihre Erziehungspflichten längst abgewälzt haben und nur mehr zu klugen Vorträgen und Diskussionen kommen. Sogar das hochgelobte, pädagogische Allheilmittel „Teamarbeit“ wurde als Belastung bezeichnet und musste als Grund für das Burnout herhalten. Erwähnt wurden die Mehrfachbelastungen der Frauen, die es immer schon gegeben hat und noch dazu mit mehr eigenen Kindern. Angeführt wurde auch die Kinderanzahl; dabei waren die Gruppen früher noch viel größer. Was aber unter den Tisch fiel, was wirklich Druck erzeugt und zu überzogenen Erwartungen der Gesellschaft führt, waren die Hinweise auf die vielen Verpflichtungen zu Fortbildungen, zu Projekten, Jubiläen und pädagogischen ­Aktionen, der Druck von oben, noch mehr zu leisten, besser zu dokumen­tieren, ideenreicher Geburtstage zu gestalten, Feiertage zu begehen, Bräuche zu beleben und Jahreszeiten bewusst zu machen. Verschwiegen wurden die Last der Verantwortung, das Bewusstsein, allein dazustehen, wenn was passiert. Ebenfalls verschwiegen wurde die krankhafte Eigenheit vieler, zu vieler Ämter im Lande, jede noch so abwegige Reform im Erziehungsbereich mitzumachen und sie gesetzestreu und perfekt zu in­szenieren. Günther Schöpf
Günther Schöpf

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