Die Reichen werden sich schon zu winden wissen
Publiziert in 25 / 2010 - Erschienen am 30. Juni 2010
Bis Weihnachten ist es noch ein gutes Stück hin, doch heuer werden schon im Sommer Pakete geschnürt. Sparpakete. Fast überall in Europa. So richtig angefangen hat alles in der Wiege Europas, in Griechenland. Berlusconi und & Co. haben lange so getan, als wäre die Krise gar nicht da. Jene, die von ihr sprachen, galten als Miesmacher. Mittlerweile hat die Euro-Krankheit auch den Stiefel voll erfasst. Jetzt redet sogar der Silvio von Krise, von Sparen, von Maßnahmen gegen die Steuerhinterziehung.
Also ist Sparen angesagt, auch in Südtirol. Die Frage ist nur, wo und bei wem die Sparschraube angesetzt wird. Diejenigen, welche die stärksten „Rippen“ haben, werden sich wohl wieder einmal zu winden wissen. Und jene, denen ohnehin schon alles an der Quelle abgezapft wird - ich rede vor allem von Angestellten und Arbeitern - werden wieder einmal am stärksten bluten dürfen. Würden die Steuern in Italien tatsächlich alle in die Staatskassen fließen, hätten die Nachfolger von Romulus und Remus vermutlich gar nicht so schlecht lachen, trotz Mafia, N’Drangheta, Camorra oder wie diese italienischen „Krebsarten“ sonst noch heißen.
Misswirtschaft, Korruption und Geldverschwendung schreien in Italien seit Jahrzehnten zum Himmel. Tag für Tag. Alle wissen es, alle sehen es. Trotzdem geht alles munter weiter.
Je steiler es mit der Wirtschaft eines Staates nach unten geht, umso lauter wird der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit. Man kann es drehen wie man will: die Kluft zwischen stinkreichen Leuten, die sehr viel besitzen und gleichzeitig fast kein Einkommen vorweisen, und jenen, die jeden erschwitzten Euro erklären müssen, ist da. Sie ist tief und wird immer tiefer.
Mehr soziale Gerechtigkeit ist wohl auch der Leitgedanke hinter dem Entwurf von Landesrat Richard Theiner zur einheitlichen Einkommens- und Vermögenserklärung. Ein guter Ansatz, obwohl er nicht bis zur letzten Konsequenz zu Ende gedacht wurde: Ersparnisse bis zu 100.000 Euro müssen nicht angegeben werden, die Bewertung von Fabriken, Hotels, Handwerksbetrieben oder Höfen wurde auf Druck der Wirtschaft gestrichen.
Sepp Laner
Josef Laner