Ein Tal in Trauer

Publiziert in 14 / 2010 - Erschienen am 14. April 2010
Die bunten Farben der Vinschgerbahn wurden am 12. April auf einen Schlag schwarz. Neun Menschen fanden beim Zugunglück in der Latschander den Tod, 28 wurden verletzt, einige davon schwer. Was zwischen Latsch und Kastelbell geschah, und vor allem wie es geschah, ist unfassbar. Es gibt kaum Worte für diese Tragödie. Schweigend und betroffen starrten an diesem Montag viele Menschen auf den entgleisten Zug. Ihr Mit­gefühl galt vor allem den Familien jener, für die es die letzte Fahrt ihres Lebens war. Über das ganze Tal, ja das ganze Land legte sich am 12. April ein Trauerflor. Man konnte sie sehen, die Bestürzung, die Fassungslosigkeit. Die Frage nach der Verantwortung tauchte schon kurz nach der Katastrophe auf. Ein Verschulden der Gesellschaft, welche die Bahnlinie betreibt, ist auszuschließen. Was es mit dem Fremdwasser auf sich hat, das über die ­Böschung rann und offenbar zum Erdrutsch führte, ist noch Gegenstand von Er­mittlungen. Besonders tragisch ist, dass der Erdrutsch genau in jenen Sekunden abging, während denen die Bahn vorbeifuhr. Das Mitgefühl, das den Familien der Opfer und Verletzten entgegengebracht wurde und wird, ist groß. Mehr als lobenswert ist der schnelle und ­professionelle Einsatz aller beteiligten Zivilschutzkräfte. Ihnen gebührt unser aller Dank. Das Leben aber geht trotz allem weiter. Der Vinschgerbahn wünsche ich, dass auch sie ihren bisher schwärzesten Tag überlebt. Sie wurde stark angeschlagen, wenige Wochen vor ihrem 5. Geburtstag. Sepp Laner (redaktion@dervinschger.it)
Josef Laner

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