Es war ein spannender Tourismussommer
Publiziert in 29 / 2010 - Erschienen am 25. August 2010
Ein recht turbulenter Vinschger Tourismussommer liegt hinter uns. Dabei lässt sich aus den Vorkommnissen in der Ferienregion Latsch-Martell (siehe Seite 9) einiges ableiten: 1. der Tourismus geht als Wirtschaftszweig längst uns alle an und ist zu wichtig, als dass man ihn Neidern oder Intriganten überlassen darf. 2. das Produkt, in dem Fall das Gebiet, das Vinschgau genannt wird, kann sehr gut als einheitliches Produkt vermarktet werden. Übrigens, warum lassen wir den Vinschgau nicht am Vinschger Tor beginnen? Wär auch für die im Meraner Land ganz schön exotisch. 3. es braucht jemand, der auch in Tourismus-Kreisen die Mandatsbeschränkung durchsetzt. Ja, richtig gehört. Ein Generationswechsel auch in Verbandsgremien wäre notwendig. In der eilig eingesetzten Arbeitsgruppe mit einem Bürgermeister an der Spitze (siehe Seite 7) ist zum Glück nur mehr ein Mitglied verblieben, den man eine bestimme Mitverantwortung an den herrschenden Zuständen im T-Verband anlasten muss – ohne seine Fähigkeiten im mindesten zu bezweifeln. 4. muss man sich fragen: Wie kann ein Tourismustreibender auch noch Verwaltungsarbeit leisten, Sitzungen auf den Ebenen des Vereines, des Verbandes und des Landesverbandes einberufen, besuchen, auswerten und Erkenntnisse oder Ergebnisse intern weitergeben? Wie kann ein Betriebsleiter im Gemeinderat sitzen, bei Bürgerversammlungen anwesend sein, Koordinierungsarbeit mit anderen Verbänden leisten und seine Interessensgruppe bei gesellschaftlichen Ereignissen oder Vereinsversammlungen vertreten, wenn seine Familie, sein Betrieb, seine Gäste und sein Personal ihn beanspruchen? Ich weiß, es gibt sie die idealen Familienbetriebe, aber nur so lange, wie es „die Alten“ derpacken, und sie sind die Ausnahme. Nun ein letzter Gedanke, einer, der uns alle am meisten berührt und der in der ganzen Diskussion kaum zum Thema wurde. Man redet von Saisonen, von Auslastung, von Qualität, von Wellness, vom Rückgang der deutschen Gäste und vom Wanderparadies, aber niemand redet vom Absterben der Privat-Zimmervermieter. Nicht einmal die Kaufleute haben die Gäste im Zimmer mit Frühstück oder mit Halbpension auf ihrer Rechnung, wenn sie sich mit der Nahversorgung und mit den sterbenden Ortskernen beschäftigen.
Günther Schöpf
Günther Schöpf