Im Park ist noch einiges nicht im Lot

Publiziert in 7 / 2010 - Erschienen am 24. Februar 2010
Ob im Gemeinderat, bei öffentlichen Zusammenkünften, im Gasthaus oder auf der Straße: Der Nationalpark ist in Martell fast immer und überall ein Thema. Auch bei der Bürgerversammlung am Freitag wurde der Park angesprochen, mehr als Problem denn als Chance. Problem auch deshalb, weil die Diskussionen zum Teil auf der emotionalen Ebene ablaufen. Gottfried Tappeiner hatte bei einer Podiumsdiskussion im Mai 2009 zwar gemeint, „dass mindestens die Hälfte der Probleme gelöst werden könnte, wenn man miteinander redet“, doch große Fortschritte haben sich seither nicht eingestellt. Eine stichhaltige Argumentationshilfe erwartet sich die Gemeinde nun von einer Studie, in der alle Schäden und Einschränkungen, mit denen speziell die Bauern im Tal leben müssen, aufgelistet und zugleich Möglichkeiten eines Ausgleichs aller Beeinträchtigungen ausgelotet werden sollen. Eine autonome Verwaltung des Südtiroler Länderanteils des Nationalparks hatte der Gemeinderat der „aufmüpfigsten“ National-Parkgemeinde bereits im März 2009 einstimmig gefordert. Dass der Park auf Staatsgesetzen fußt und auch die Jagd gesetzlich verboten ist, weiß jeder. Aber Gesetze lassen sich ­ändern, auch wenn es sehr schwer, ja fast aussichtslos ist. Insofern ist eine Umwandlung des Südtiroler Länderanteils in einen autonomen Landes-Naturpark mit Jagderlaubnis derzeit nicht mehr als ein Wunschdenken. In meinen Augen nicht nachvollziehbar ist, dass der Staat die Tür für neue, gemäßigte Wasserkraftnutzungen in Schutzgebieten nicht öffnen will. ­Einen entsprechenden Antrag hat Senator Manfred Pinzger bereits vorbereitet. ­Schützenhilfe bekommt er vom Trentiner Lega Nord Senator Sergio Divina. Wie schon Martell, Laas und Stilfs hoffen auch etliche Gemeinden in den Park­anteilen in Trient und in der Lombardei auf die Möglichkeit neuer Wasserkraftnutzungen. Dem Naturschutzgedanken dürfte die Erzeugung sauberer Energie aus der Wasserkraft nicht zuwiderlaufen. Im krassen Widerspruch zur „grünen“ Energie hingegen steht die Absicht der Regierung, neue Atomkraftwerke zu bauen. Sepp Laner (redaktion@dervinschger.it)
Josef Laner

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