Nicht nur den Katzen tut die Sonne gut

Publiziert in 13 / 2009 - Erschienen am 8. April 2009
„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche...“ - Niemand hat es bisher schöner gesagt als der gute alte Goethe in ­seinem ­Osterspaziergang: Er kommt zwar etwas zaghaft, aber er kommt, der Frühling. Und mit ihm die Sonne und die Wärme. Es wird einem leichter ums Herz, wenn der erste Löwenzahn durchschlägt, wenn die Eisdiele wieder offen ist und die Katze so lange miaut, bis die Balkontür aufgeht. Weniger romantisch verabschiedet sich der lange und harte Winter in den Gemeindestuben. Fast überall mussten oder müssen die Buchhalter das Aus­gabenkapitel für die Schneeräumung zum Teil gewaltig nach oben korrigieren. Was der Winter noch zurücklässt, ist die Krise. Gegen sie kann die Sonne nichts ausrichten, die Krise schmilzt nicht einfach dahin wie Schnee. Eines aber kann der Frühling vielleicht doch bewirken: Anstatt alles schwarz zu ­malen, anstatt einander immer und überall die Krise unter die Nase zu reiben und eine Stimmung zu verbreiten, als ginge die Welt morgen, oder spätestens übermorgen unter, wäre ein gesunder Schuss an Optimismus besser. Natürlich ist die Lage schlimm genug, wenn ein selbstständiger Unternehmer plötzlich am Fließband steht, wenn ein Wirt sein Gasthaus für immer zusperrt, weil er jeden Abend mutterseelenallein hinter der Theke ausharrt, oder wenn ein Arbeiter nicht mehr weiß, wie er seine Familie ernähren soll, weil sein Chef in Konkurs gegangen ist. Die Zeiten sind tatsächlich härter geworden, aber sie sind zu meistern. Vielleicht sollten wir manchmal an jene denken, die außer der Sonne nichts haben und trotzdem leben, und trotzdem lachen. Sepp Laner
Josef Laner

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