Wie im Vinschgau das Türstehen zum Blutsport wird

Publiziert in 4 / 2009 - Erschienen am 4. Februar 2009
Der Türsteher, oder im Fachjargon „Aussischmeißer“ geschimpft. Dieser Begriff tönt schon unangenehm, wenn man ihn bloß hört. So mancher Vorfall und einige Anekdoten erzählen davon, wie unangenehm sich alles, was sich um Türsteher dreht, anfühlen kann. Ich nehme an, die meisten unserer Leser hatten selten oder nie Kontakt zu dieser Spezies Gastronomieangestellter. Ist auch besser so. Denn wie ein besonders aus­sagekräftiges Beispiel aus Latsch beweist, werden Türsteher nicht etwa so betitelt, weil sie eben mal nur so dastehen. Nein, sie benützen die Tür auch mal recht gerne, und dann ziemlich wuchtig. Es versteht sich von selbst, dass es sich zwischen Tür und Angel eher schlecht steht, wenn so ein Prachtbulle in ebendiese Richtung schnaubend Anlauf nimmt. Da heißt es, gekonnt Abstand zu nehmen. Letzthin war ein Nachtschwärmer knapp aber doch zu spät dran gewesen. Zwei Fingerkuppen blieben in der Tür hängen, Blut spritzte und Frauen kreischten erschrocken. Die „Dolomiten“ berichteten, dass die Finger schließlich teilamputiert werden mussten. Mag sein, dass das Gericht die Schuldfrage zu klären hat. Von der Hand zu weisen ist aber nicht, dass der üble Ruf der Türsteher nicht von ungefähr kommt. Geschubst wurde auch ich schon, weil ich trotz der unhöflichen Aufforderung „abzuzischen“ noch ein Gespräch zu Ende bringen wollte oder weil ich einfach etwas zu gemütlich dahingelatscht war. Da reicht dann ein winziges Widerwort und die Typen werden so richtig fad. Mancher wird jetzt denken, wer was trinkt, ist denen eben lästig. Leider verhält es sich aber umgekehrt. Türsteher dürfen sich freuen, wenn kräftig angestoßen wird. Sie verdanken ihren Job immerhin Gästen, die etwas trinken, und ganz besonders jenen, die ordentlich trinken. Letztere sind zwar meist etwas „schwieriger“ im Umgang. Aber von nur zwei Bier pro Gast hat noch niemand für lange Zeit schöne Platten auflegen können. Türsteher hätten eigentlich für die Sicherheit aller Gäste zu sorgen. Immerhin nehmen Nachtschwärmer eine teure Dienstleistung in Anspruch. Wie kann es also sein, dass grobe Körperverletzungen gegenüber Gästen so häufig sind? Die Wahrheit ist, dass die meisten Türsteher im Vinschgau hoffnungslos unterqualifiziert sind. Die Branche hat eben gewaltigen (nicht gewalttätigen) Nachholbedarf. Wem im privat organisierten Sicherheits­geschäft leicht die Sicherungen durchbrennen, sei ein Job­wechsel empfohlen. Da wäre auch ein gut gemeinter Rat vom Chef und den Kollegen gefragt. Gute Türsteher sind hart ge­sottene Kerle, die Krisensituationen gekonnt, diskret, und vor allem ohne größeres Aufsehen zu erregen, erledigen. Wenn nach einem Wochenende von zwei teilamputierten Fingern die Rede ist, läuft definitiv etwas falsch. Jedenfalls wird nicht nur den regelrecht schockierten Augenzeugen dieser Abend als völlig misslungen in Erinnerung bleiben. Werner Wallnöfer Üble Erfahrungen mit Tür­stehern gemacht? Sie sind Türsteher und vom Kommentar nicht angetan? Schreiben Sie mir: ­redaktion@dervinschger.it
Werner Wallnöfer

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