Im Bild (v.l.): Anni Perfler, Eduard Stricker (Bauer auf Stallwies), Monika Rechenmacher (Bezirksbäuerin) und Erich Rechenmacher.

Kornschnitt auf Stallwies

Publiziert in 29 / 2010 - Erschienen am 25. August 2010
Martell – Seit 1968 war auf Stallwies in Hintermartell, dem einst höchst gelegenen Kornhof Europas (gemeinsam mit dem Finailhof in Schnals), kein Korn mehr geschnitten worden. Der Getreideanbau war für den Bergbauer nicht mehr rentabel. 2009 wurde eine Wiese gepflügt und Ende August wurde Winterroggen gesät. Angeregt hatte dies alles der Kultur- und Landschaftsführer Karl Perfler, der bei der Familie Stricker offene Ohren und Begeisterung vorfand. Nun sind auf dem sehr steilen Acker wieder „Kornhocken“ zu sehen. Zum Kornschneiden hatte Karl Perfler eine kleine Mannschaft organisiert. So gingen dem Bauer Eduard die Bezirksbäuerin Monika ­Rechenmacher und ihr Mann Erich zur Hand. Anni und Karl Perfler halfen ebenso mit. „Ich kam gerne nach Stallwies. Wir hatten in Kastelbell noch in den 70er Jahren Korn und so habe ich das Kornschneiden zu Hause lernen können,“  freute sich Erich. Die Bezirksbäuerin wollte dabei sein, um anderen Berg- und Talbauern Mut für neue Initiativen zu machen: „Es kann ja nicht sein, dass wir das gesamte Getreide für unser tägliches Brot einführen müssen. Neben der Obst- und Milchwirtschaft sollte dem Getreideanbau wieder mehr Spielraum gewährt werden. Natürlich sind dafür auch die nötigen Vorraussetzungen zu schaffen.“ Projekt „Apfelliebe“ Karl Perfler stellte den vielen Besuchern, unter denen sich Luis Stefan Stecher, Gianni Bodini, Hubert Frasnelli, Hans Inderst und Architekt Manfred Wachter befanden, das Projekt „Apfelliebe“ vor, das nun in den Vinschgau gekommen ist: „Es bringt langfristig nichts, wenn wir uns immer nur auf Subventionen stützen. In unserem Land haben wir genug eigene Kraft, um die Rückkehr der Getreideäcker zu ermöglichen. Im Projekt ‚Apfelliebe’ reichen sich die Touristiker und die Landwirte die Hand. Wöchentlich werden  Äpfel - in wenigen Tagen gibt es bereits frische - auf Bestellung in die Tourismusbetriebe gebracht. Die Gastgeber verkaufen oder verschenken die Äpfel an ihre Gäste und mit einem Teil des Erlöses wird der Anbau von Getreide in Südtirol unterstützt.“ Wenn viele Gastgeber mitmachen ergibt dies laut Perfler eine wirtschaftliche Basis für einen Neubeginn. Die Versuchsanstalt Laimburg unterstützt das Projekt und so werden alte Landsorten verwendet. Auch das Apfelkonsortium steht hinter der Initiative, „da Gäste Südtiroler Äpfel hier kennen lernen und zu Haus wieder erkennen sollen.“ Mehr zum Projekt im Web (www.apfelliebe.com). In den nächsten Wochen werden weitere Getreideprojekte folgen. So wird in Schenna Buchweizen geerntet und Wintergetreide gesät. Auf dem ­Finailhof wird Anfang September das Getreide zurückkehren und auf Juval Ende Oktober. „Aus allen Teilen unserer Heimat bekomme ich Angebote für den Getreideanbau. Zuerst aber gilt es das gesamte Projekt auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen, damit es sich langfristig entwickeln kann und den Menschen unserer Heimat wieder eigenes Brot  gibt. Dabei zähle ich auf die Mitarbeit der Touristiker. Ein Anfang ist gemacht,“ so Karl Perfler abschließend.

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