Am 14. März fallen die ersten Würfel
Publiziert in 9 / 2010 - Erschienen am 10. März 2010
Graun – Der offizielle Wahltermin ist natürlich der 16. Mai, aber wesentliche Vorentscheidungen für die Zusammensetzung des neuen Gemeinderates der Gemeinde Graun werden bereits bei den Vorwahlen am Sonntag, 14. März, fallen. Die SVP ruft alle Wahlberechtigten zur Teilnahme auf. Die Vorwahlen dienen zur Ermittlung der zwei SVP-Bürgermeisterkandidaten und auch der Gemeinderatskandidaten.
Von Politikverdrossenheit der Bevölkerung war am vergangenen Freitagabend im Vereinssaal von Graun nichts zu spüren. Der Saal war nahezu bis auf den letzten Stehplatz besetzt, als der SVP-Koordinierungsobmann Eduard Fritz den Informations- und Diskussionsabend eröffnete. Den Vorwahlen für die Ermittlung der zwei SVP-Bürgermeisterkandidaten stellen sich Elmar Bochet aus Reschen (57 Jahre), Heinrich Noggler aus St. Valentin a.d.H. (43), Franz Prieth aus Reschen (37) und Heinrich Thöni (Pleif) aus Langtaufers (42). Sie stellten sich und ihre wichtigsten Programmpunkte vor.
Der Landwirt Heinrich Thöni (Pleif), der mehrere Ämter in bäuerlichen Organisationen in Langtaufers sowie auf Bezirks- und Landesebene bekleidet, plädierte für eine Zusammenarbeit aller Wirtschaftssparten und Gesellschaftsschichten. Der Zusammenschluss der Skigebiete Schöneben und Haider Alm sei weiter voranzutreiben, auch wenn die Umweltverträglichkeitsprüfung negativ ausgefallen sein. Das Skigebiet Maseben sei weiterhin zu unterstützen, die Zusammenarbeit mit Nauders zu fördern. Der Sommertourismus sei aufzuwerten und das heimische Handwerk zu unterstützen. Auch auf eine Reihe von Anliegen der Landwirtschaft ging Heinrich Thöni ein sowie auf die Bedeutung von sozialen Einrichtungen und des Vereinswesens. Als das größte Kapital wertete er die Natur. Heimische Produkte der Landwirtschaft sollten vermehrt im Handel und im Gastgewerbe Absatz finden. Anzupeilen seien eine Biogasanlage im Oberland sowie der Bau von Beregnungsstrukturen, wo solche noch nicht vorhanden sind.
Elmar Bochet, Landwirt und Familienvater in Reschen, verwies auf seine Erfahrung als Gemeinderat und als Gemeindeverwalter. Er ist seit 1995 im Rat, arbeitet seit 2000 im Ausschuss mit und ist seit 2005 Vizebürgermeister. „Mein größter Fehler ist, dass ich manchmal zu emotional bin“, so Bochet. Die Gemeindepolitik verstehe er als Teamarbeit mit dem Rat, dem Ausschuss und den Bürgern. Mit diesen müsse mehr geredet werden. Bei wichtigen Entscheidungen sollten Volksbefragungen durchgeführt werden. Die verschiedenen Sparten der Wirtschaft wertet er wie ein einziges Uhrwerk: „Wir müssen alle zusammenschauen. Das erste Ziel für uns alle muss der Tourismus sein“. Aufzuwerten seien unter anderem die Seen. Die Umwelt dürfe man nicht dem Geld zuliebe opfern. Als einen der Schwerpunkte nannte Bochet die Frage, wie es mit dem Hallenbad weitergehen soll. Hierzu sollte das Volk befragt werden. Ähnliches gelte für den Zusammenschluss von Schöneben und Haider Alm: „Wollen das die Bürger und die Gesellschaften? Braucht es das? Ist es finanziell möglich?“
Franz Prieth, seit 15 Jahren Schulsekretär an der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg und zusammen mit seiner Frau Betreiber eines Tourismusbetriebes, will für eine gerechte und ausgeglichene Gemeindepolitik eintreten. Er sei sich der Aufgabe bewusst. Die Unterstützung der Familien, der älteren Leute und sozial schwachen Menschen sei ihm ebenso wichtig wie die Förderung der Jugend und die Integration derselben in die Gesellschaft: „Ich komme aus der Vereinswelt, bin Obmann der Musikkapelle Reschen und glaube fest daran, dass die Vereine das Rückgrat der Gesellschaft sind.“ Die Wirtschaft solle als gesunder Kreislauf funktionieren, wobei alle Sparten und Fraktionen mit einzubinden seien. Der starke Motor sei der Tourismus. Die Dörfer gelte es zu pflegen und die „Vermarktung“ des Gebietes nach außen zu verbessern. Bestehende Strukturen seien zum Teil zu verbessern, neue ins Auge zu fassen. Bei langfristigen Entscheidungen sollten die Bürger direkt mitreden können. Was es laut Prieth nicht braucht, ist ein soziales und wirtschaftliches Gefälle innerhalb der Gemeinde.
Heinrich Noggler ist seit 13 Jahren Oberschullehrer für Betriebswirtschaftslehre an der Sportoberschule in Mals. Er ist Sekretär der Fraktionsverwaltung St. Valentin und zusammen mit seiner Frau Vermieter von Ferienwohnungen. Er will sich unter anderem für ein Zusammenwachsen der Fraktionen, Vereine und Verbände der gesamten Gemeinde einsetzen: „Wir brauchen ein verstärktes Zusammengehörigkeitsgefühl, wir müssen uns noch mehr als Oberländer identifizieren.“ Um „für uns und unsere Kinder eine lebenswerte Zukunft zu gestalten“, tritt er vor allem für eine bürgernahe Politik ein. Die Bevölkerung gelte es mit einzubeziehen. Auch familienfreundlich müsse die Politik sein, die Bedürfnisse der Kinder müssten ebenso Berücksichtigung finden wie jene der Senioren. Geeignete Wohnbauzonen seien auszuweisen und neue Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Noggler spricht sich außerdem für die Erstellung eines Tourismuskonzeptes aus: „Wo stehen wir und wohin wollen wir?“ Die Berg- und Almwirtschaft sowie die Kulturlandschaft seien das Kapital der Gemeinde. Die Dörfer gelte es aufzuwerten und mehr mit Leben zu füllen. Die Zusammenarbeit im Bezirk gelte es zu erhalten und noch weiter auszubauen, und zwar nicht nur im Bereich der Energie.
Der Wahlmodus
Über den Modus der Vorwahlen informierte Thomas Santer. Auf der endgültigen Liste der SVP werden demnach nur 2 Bürgermeisterkandidaten aufscheinen und zwar jene, die bei den Vorwahlen am 14. März am meisten Stimmen bekommen. Die anderen zwei werden als Kandidaten für den Gemeinderat gereiht. Für die Ermittlung der BM-Kandidaten gibt es in allen Dörfern dieselben Stimmzettel. Es kann nur jeweils ein Name angekreuzt werden.
Auch die Ratskandidaten werden bei den Vorwahlen ermittelt. Im Dorf Graun können höchstens 3 Namen angekreuzt werden. Den Vorwahlen stellen sich dort Engelbert Fliri, Karoline Gasser, Erwin Köllemann, Christoph Noggler, Valentin Paulmichl und Georg Prenner. Wie in allen anderen Fraktionen kann auch in Graun auf einer Leerzeile zusätzlich ein neuer Name genannt werden.
Je 4 Ratskandidaten können in St. Valentin und Reschen angekreuzt werden. In St. Valentin stehen Andrea Frank, Walter Habicher, Konrad Köllemann, Heinrich Noggler (auch BM-Vorwahl-Kandidat), Franz Peer, Konstantin Punt, Thomas Santer, Johann Sprenger, Roman Theiner und Alfred Waldner zur Auswahl und in Reschen Elmar Bochet (auch BM-Vorwahl-Kandidat), Thomas Federspiel, Ulrich Federspiel, Reinhold Mall, Christiane Patscheider, Franz Prieth (auch BM-Vorwahl-Kandidat) und Andreas Zegg. In Langtaufers können 3 Personen angekreuzt werden. Der Wahl stellen sich Peter Eller, Hansi Klöckner, Erhard Joos, Heinrich Thöni (auch BM-Vorwahl-Kandidat) und Wolfgang Thöni.
Gewählt werden kann in allen Dörfern von 9 bis 19 Uhr.
Über die heutige und künftige Rolle der Gemeinden sprach der Landtagsabgeordnete Sepp Noggler. Die Gemeinden sähen sich derzeit mit einem gewaltigen Überbau konfrontiert: Land, Staat, EU. Das Prinzip der Subsidiarität sei noch lange nicht zur Zufriedenheit der Gemeinden umgesetzt: „Viele Politiker tun sich schwer, Macht abzutreten, auch in Südtirol.“ Das Land sei mit seinen ca. 51.000 öffentlichen Angestellten viel zu zentralistisch aufgestellt. Eine Reform der Verwaltung sei nötiger denn je.
Noggler überbrachte auch die Grußworte des scheidenden Grauner Bürgermeisters Albrecht Plangger. Dieser habe es vorgezogen, im Sinne der Neutralität nicht an der Versammlung teilzunehmen, „obwohl es ihn interessiert hätte.“ Noggler bescheinigte Plangger, stets eine ehrliche und geradlinige Politik betrieben zu haben: „Er redet heute noch gleich wie vor 20 Jahren.“
Josef Laner