Bei „günstigem“ Wind stinkt es gewaltig
Publiziert in 31 / 2010 - Erschienen am 8. September 2010
Sulden – Die Kläranlage in Sulden stinkt buchstäblich zum Himmel. Den Anrainern und Tourismustreibenden im Umkreis platzt nun endgültig der Kragen. Besser gesagt die Nase. „Heuer war der Gestank während des Sommers zeitweise unerträglich. Wir wagten es nicht, die Wäsche im Freien aufzuhängen und zu trocknen, denn sonst hätten wir sie noch einmal waschen müssen.“ So beschrieben am vergangenen Freitag mehrere Anrainer und Betreiber von Beherbergungsbetrieben den Missstand. Und mehr noch: „Manchmal wird uns speiübel. Kindern, die im Freien spielen, ergeht es nicht besser. Sie kommen freiwillig ins Haus zurück. An windigen Tagen können wir weder Fenster noch Türen öffnen. Sogar an den Vorhängen setzt sich der Gestank fest.“ Besonders schlimm sei es immer, wenn „gepresst“ wird. Gepresst wird regelmäßig der anfallende Klärschlamm, um den Flüssigkeitsgehalt zu minimieren und den Trockenmasseanteil zu steigern.
Seit jeher „Problemkind“
So richtig in den Griff bekommen hat man die Geruchsbelästigungen im Umkreis der Anlage nie. Bereits nach dem Bau des Klärwerks in den 80er Jahren tauchten Probleme auf. 1995 begann die Gemeinde mit der Umsetzung eines großen Umbau- und Erweiterungsprojektes. Hauptziel war es, die Kapazität zu erhöhen. Die Kosten beliefen sich auf damals rund 6 Milliarden Lire. Wenige Jahre später wurde für damals ca. 400 Millionen Lire eine maschinentechnische Erneuerung vorgenommen. In den Folgejahren kam es zu weiteren Investitionen. „Es gab Jahre, in denen sich die Geruchsbelästigungen in Grenzen hielten, doch zu hundert Prozent gestankfrei war es hier eigentlich nie“, so die Anrainer, „heuer im Sommer war der Gestank ‚kriminell’. So ein Missstand ist niemandem zumutbar, weder den Einheimischen noch den Gästen.“
2009 ging die Anlage übrigens von der Gemeinde an die Bezirksgemeinschaft über, die sie seither auch führt.
Unterschriften–Sammlung
„Geht es nach dem Willen der Suldner, so sollen die Abwässer von Sulden zur Kläranlage nach Prad geleitet und die Aufbereitungsanlage hier im Dorf geschlossen werden“, sagte Vizebürgermeister Franz Heinisch. „Der Gestank beeinträchtigt nicht nur die Wohnqualität der Anrainer, sondern bereitet auch den Tourismustreibenden des Umkreises große Sorgen“, so das Gemeinderatsmitglied Andras Wallnöfer. Dass derartige Gerüche für den Fremdenverkehr alles eher als eine Visitenkarte seien, liege auf der Hand. Bei „günstigem“ Wind breite sich der Gestank bis zum „Wellness Hotel Post“ und bis hin zu den Häusern und Betrieben jenseits des Suldenbaches aus.
Auf Initiative der SVP-Frauen wurde nun mit einer Unterschriftenaktion in Sulden begonnen. Franz Heinisch ist überzeugt, „dass alle Suldner unterschreiben werden.“ Die beste und einzige Lösung sei es, das Abwasser nach Prad zu leiten, anstatt erneut viel Geld in die bestehende Anlage zu stecken. Heinisch: „Zwischen Gomagoi und Prad gibt es bereits eine Abwasserleitung, und zumal auch Außersulden an das Abwassernetz angeschlossen werden muss, wäre nur mehr ein ca. drei Kilometer langer Strang von Sulden nach Außersulden zu bauen.“
Die Ursachen für die Gerüche sind vielschichtig. Eine große Rolle spielen sicher die Schwankungen der Abwassermengen: zu Saisonzeiten halten sich insgesamt bis zu 3.500 Personen (Tagesurlauber inklusive) täglich in Sulden auf, zu „toten“ Zeiten sind es nur einige hundert, nämlich die Suldner selbst. Derartige Schwankungen der Abwassermengen wirken sich negativ auf die Funktionalität der Kläranlage aus. Ein weiteres Problem stellt sicher das Pressen des Klärschlamms dar. Aber auch auf eine „Untugend“ der Suldner selbst verweist Andreas Tappeiner, der im Bezirksausschuss für den Bereich Umwelt zuständig ist: „Nicht wenige Suldner entsorgen Öle und Fette leider immer noch über die Kanalisation.“ Mit der Führung der Anlage hätten die Geruchsbelästigungen jedenfalls nichts zu tun.
Warten auf Studie
Um das Problem „Kläranlage Sulden“ endgültig in den Griff zu bekommen, hat die Bezirksgemeinschaft den Ingenieur Siegfried Pohl beauftragt, eine Studie zu erstellen. „Das Ergebnis soll bis zu Allerheiligen 2010 vorliegen“, so Tappeiner. Es sei auszuloten, ob es besser bzw. auch möglich ist, die Anlage so zu sanieren, dass das Problem des Gestanks für immer aus der Welt geschafft wird, oder ob es doch besser ist, das Abwasser nach Prad zu leiten. Tappeiner will dem Ergebnis der Studie zwar nicht vorgreifen, tendiert selbst aber eher in Richtung einer Ableitung nach Prad: „Die Anlage in Prad könnte die Abwässer aus Sulden von der Kapazität her nicht nur problemlos aufnehmen, sondern würde in ihrer Funktionalität sogar gesteigert. Das Problem der Schwankungen könnte man auf diese Weise in den Griff bekommen, denn die Anlage in Prad könnte diese Schwankungen angesichts des Gesamtzuflusses an Abwässern irgendwie ausgleichen.“ Nicht zu vergessen seien in der ganzen Diskussion aber auch die Trassenfindung, die Realisierbarkeit der Leitung im Gelände und nicht zuletzt der finanzielle Aspekt. Andreas Tappeiner: „Wenn die Realisierbarkeit gegeben ist und die Suldner auf eine Ableitung der Abwässer nach Prad bestehen, bin ich gerne bereit, zwecks der Finanzierung bei Umweltlandesrat Michl Laimer vorzusprechen.“
Die gesammelten Unterschriften werden nun dem Stilfser Bürgermeister Hartwig Tschenett übergeben. Dieser ist sich des Problems sehr wohl bewusst, „zurzeit aber können auch wir nicht mehr tun als abwarten, bis das Ergebnis der Studie vorliegt.“
Josef Laner