Belehrender Saison-Einstieg für Bio-Bauern
Publiziert in 9 / 2010 - Erschienen am 10. März 2010
Latsch – Zum ersten Mal wurde die Bio-Obstbautagung 2010 am Sitz des Verbandes der Vinschger Produzenten vom Verein Bio Vinschgau mit Obmann Leonhard Wellenzohn in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring Vinschgau organisiert. An die 100 Biobauern, Mitglieder des Verbandes Bioland Südtirol und nicht nur aus dem Vinschgau, kamen in den Genuss von acht Fachvorträgen, die sich in einem ersten Block mit Sorten-Neuheiten für den Bio-Anbau in aller Welt, mit Erfahrungen zu neuen Sorten, mit Sorten im französischen Bio-Anbau, ja sogar mit der Frage beschäftigten, ob es jemals eine „Bio-Sorte“ aus Südtirol geben könne. Ein zweiter Block widmete sich den gezielten Verbesserungen der Pflanzen- und Bodenqualität durch die „Gestaltung und Nutzen von Hecken und Einsaaten“. Dazu berichteten Ewald Lardschneider, Versuchsanstalt Laimburg, und Rudi Niedermayr, Eppan, aus Theorie und Praxis. Was in den Vortragstiteln am Vormittag nicht ausdrücklich angeführt worden war, aber sich wie der sprichwörtliche rote Faden durch die Referate gezogen hatte, nämlich der Schorfbefall, wurde im Nachmittagsteil durch Eugen Tumler direkt angesprochen. Der für den Vinschgau zuständige Bio-Berater im Beratungsring hatte das „ausgesprochene Schorfjahr 2009“ analysiert und trug die „Erkenntnisse aus der vergangenen Schorfsaison“ im Vinschgau vor. Dass die Pilzkrankheit im gewerblichen Obstbau und durch die eingeschränkten Mittel vor allem im Bio-Obstanbau eine unheilvolle Rolle spielt, hatten zuvor die Mitarbeiter der Versuchsanstalt Laimburg, Walter Guerra und Ewald Lardschneider, in ihren Vorträgen aufgezeigt. So berichtete Guerra: „Von den 80 weltweit operierenden Instituten befassen sich allein 20 mit der Züchtung Schorf resistenter Sorten.“ Mit allen sei die Laimburg in Kontakt und über das „Sortenerneuerungskonsortium (SK) Südtirol“ sei geplant, „strukturierte und unabhängige Informationen“ zu liefern. Mit dem Vortragstitel „Wird es jemals eine ‚Bio-Sorte‘ aus Südtirol geben?“ hatten die Organisatoren einige Erwartungen geweckt. Gerhard Eberhöfer, Verkaufsleiter der VI.P-Abteilung Bio, versuchte sie alle zu dämpfen und machte auf die vielen Auflagen, Maßnahmen und Hürden aufmerksam, die zu erfüllen und zu überwinden wären, bis im Zeitraum von sieben bis acht Jahren eine Sorte salonfähig wäre.
Im abschließenden Teil der Tagung erteilte Versammlungsleiter Rudi Kiem noch das Wort an Matthias Günthör von der Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG, der über die „neuesten Erfahrungen mit der mechanischen Ausdünnung“ referierte, und an Jan Paauw, einem Niederländer, der in Frankreich als Berater tätig ist und der über den aktuellen Stand im französischen Bio-Obstbau berichtete. Den Ausklang gestalteten Ulrich Kiem, Bereichsleiter Bio-Obstbau im Beratungsring, und Reinhard Verdorfer, Bioland Südtirol, mit Bildern und einem Videofilm über die Reise einiger Vinschger Biobauern nach British Columbia in Kanada und Washington State in den Vereinigten Staaten.
Verein Bio Vinschgau
1999 wurde die Bio-Genossenschaft aufgelöst; seither wird die Ernte der 125 Bio-Bauern im Vinschgau an die Bio-Abteilung der VI.P geliefert. Die Betreuung, Information und Fortbildung hat der Verein Bio-Vinschgau mit Obmann Leonhard Wellenzohn aus Schlanders und sieben Ausschuss-Mitgliedern übernommen.
„Der Vinschger“: Was war der Anlass, sich bei dieser Tagung mit der Sortendiskussion und mit Schorf zu befassen?
Leonhard Wellenzohn: Das starke Auftreten der Pilzkrankheit Schorf, für den Vinschgau eher ungewöhnlich, und natürlich der Ruf des Marktes nach neuen Sorten.
Was hat man vom Gastreferenten aus Frankreich Neues erfahren?
Leonhard Wellenzohn: Mit dem Amtsantritt von Nicolas Sarkozy haben die Bio-Bauern eine starke, staatliche Förderung erfahren oder sie ist zumindest versprochen worden. Anscheinend gibt es auch in Frankreich immer mehr bio-bewusste Konsumenten.
Günther Schöpf