Ein Jahrhundertunterfangen für Plaus
Publiziert in 30 / 2010 - Erschienen am 1. September 2010
Plaus – „Wir sind die Gemeinde mit einer der höchsten Zuwachsraten in Südtirol. Zwischen 1981 und 2009 hat sich die Bevölkerung von 350 Einwohnern auf 690 fast verdoppelt.“ Bürgermeister Jürgen Klotz, der noch bis zu den Neuwahlen im Herbst Pfarrgemeindepräsident ist, weiß um die dringende Notwendigkeit, neue Grabstellen zu schaffen und eine Leichenkapelle zu bauen. Aber nicht nur. „Wenn an einem Wochenende ein Sarg in die Kirche käme, müssten wir zur Sonntagsmesse nach Rabland gehen. Unsere Kirche ist einfach zu klein, unabhängig von Aufbahrungen. Wie bei der letzten Firmung werden wir immer öfter gezwungen werden, uns bei größeren Feiern in den Nachbarort zu begeben“, schilderte Klotz die Folgen des Raumproblems in der einzigen Ulrichs-Kirche des Vinschgaus. Etwa 250.000 Euro würde der Bau einer Leichenkapelle kosten. Das Geld könnte man der Pfarre als Beitrag geben, wenn ein neuer Kirchenraum entstünde. Bereits 2004 hätten die Bürger mit knapper Mehrheit dem Vorhaben zugestimmt, auf einem freien Grundstück westlich der Kirche eine neue Kirche zu bauen. Inzwischen ist die Pfarrei auch schon aktiv geworden und hat einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Drei Architekten wurden eingeladen, über ihre Projektvorschläge die drei grundsätzlichen Anliegen der Plauser zu erfüllen: einen größeren Kirchenraum, eine Leichenkapelle und die Erweiterung des Friedhofs zu ermöglichen. Zudem liegt als 4. Möglichkeit die Planung des Architekturstudios „D3“ aus dem Jahre 2000 im Zuge des Bebauungsplanes der Zone vor. Zur großen Zufriedenheit von Bürgermeister Klotz und seiner Verwaltung wurden drei Projekte eingereicht, die sehr unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten für Zugänge, Beziehung zu den Anrainern, Einbeziehung der bestehenden Kirche und des angrenzenden Spielplatzes in Betracht ziehen. „Wichtig muss es uns sein, dass unsere Kirche nicht nur zur Leichenkapelle wird, sondern darin auch Hochzeiten, Taufen und andere Familien- oder Kirchenfeiern stattfinden können“, erklärte Bürgermeister Klotz. „Die Bevölkerung hatte bereits die Möglichkeit, alle drei Modelle zu sehen. Wir werden so demokratisch und fachtechnisch wie möglich vorgehen. Gemeinderat, Pfarrgemeinderat, vier beratende Techniker und ein Vertreter des Landesbeirates für Baukultur und Landschaft werden die Wettbewerbskommission bilden, damit die einzigartige Chance nicht zu einer Hauruck-Aktion wird“, sagte Klotz.
Günther Schöpf