Vom Habicherkopf (2.901 m) auf den Reschensee geblickt.

Im Sommer wenig los, im Ochsenbergtal

Publiziert in 31 / 2010 - Erschienen am 8. September 2010
Wohl als eines der ruhigsten Tälchen des Vinschgaus ist das ­Ochsenbergtal, ein Seitental des Langtauferer Tales. Wo im Winter die grellen Freudenschreie der Kinder und Erwachsenen auf den Hornschlitten hallen, herrscht in der warmen Jahreszeit sommerliche Ruhe bei Kuhschellen und Wasserrauschen. Je höher man steigt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass man außer dem Hirten Erwin und seinen beiden Hirtenhunden nur Vierbeiner antrifft. Etwas Besonderes ist die Almkapelle zum Heiligen Wendelin, deren Turm im Winter abmontiert wird, damit er nicht von den Schneemassen eingedrückt oder von einer Lawine mitgerissen wird. Im Inneren des Kleinods befindet sich ein Altarbild mit Maria und Kind, eine Darstellung des Hl. Wendelin und des Hl. Pirmins, vermutlich aus dem Jahr 1760. Die Malerei sei ein Werk des Grauner Malers Antoni Jäger, der 1731 geboren, bis 1802 eine Malerwerkstatt und gar eine Malerschule in Graun betrieb, so der Heimatforscher Elias Prieth. Der Heilige Wendelin ist übrigens der Patron des Viehhirten und der Bauern. Und den Segen des Heiligen braucht es im Ochsenbergtal. Denn neben 150 Stück Galtvieh, weiden Kälber und seit Neuestem auch Hochlandrinder. Und ab und an bedienen sich etliche Grenzgänger, Schafe aus dem Nachbartal, der saftiggrünen Weiden. Wegverlauf: Vom Weiler Riegl durch den Perwarghof. Nach wenigen Metern zweigt rechts der Weg ins Ochsenbergtal und zu unserem Gipfelziel, dem Habicherkopf, ab. Über einen steilen Grashang geht es hinauf zum Waldrand und über einen alten Weg, der auf die neue Almstraße trifft (220 Hm, 40 Min.). Mithilfe mehrerer Abkürzungen erreicht man in weniger als einer Stunde die hinter dem lang gestreckten Stall versteckte Almhütte (Kein Ausschank! 260 Hm, 1 Std.). Über einen kleinen Grashügel hinab zur Jägerhütte und dem Wendelin-Kirchlein. Gemächlich ansteigend geht es nun tief ins Ochsenbergtal hinein. Nach etwa einer Stunde teilt sich der Weg und führt rechts über grüne Berghänge zu einem Salzstand, und in einem weiten Rechtsbogen, einem riesigen Feuchtmoor ausweichend, zur Ochsenbergscharte (500 Hm, 1.40 Std.). Nun über Blöcke auf dem steilen Grat hinauf zum Gipfelkreuz (200 Hm, 40 Min.). Abstieg wie Aufstieg (2.30 Std.). Oder: Weiter auf den Mittereck (250 Hm, 50 Min.) und über den markierten Pfad retour bis zum Hochmoor, wo man wiederum auf den Hinweg trifft. Ausgangspunkt: Weiler Riegl (1.650 m) Anfahrt: Im Dorf Graun rechts abbiegen ins Langtauferer Tal und bis zum Weiler Kapron fahren. Dort rechts abbiegen und hinunter zu den am Karlinbach verstreut liegenden Höfen. Höhenunterschied: 1.240 Hm Gesamtgehzeit: 6 Std. Charakteristik: Lange, einfache Wanderung über unendlich grüne Almmatten, Gipfel mit ausgedehntem Obervinschgau-Blick Einkehrmöglichkeiten: Melager Alm, Restaurant Gletscherblick, Betriebe in Langtaufers, Ab-Hof-Verkauf am Rieglhof, Einkaufsmöglichkeiten: Mary‘s Market Kartenmaterial: Tabacco Blatt 043, Vinschgauer Oberland, 1:25.000, www.trekking.suedtirol.info Weitere Touren: www.berglouter.com
Andrea Kuntner

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