Vom programmatischen Dokument bis zum Hochzeits-Böllern

Publiziert in 29 / 2010 - Erschienen am 25. August 2010
Laas – Grundsätze, Maßnahmen, Leitsätze: so ist das programmatische Dokument des Laaser Bürgermeisters Andreas Tappeiner gegliedert. Der Gemeinderat stimmte dem Dokument am 2. August mit den Stimmen der SVP zu. Die 5 anwesenden Vertreter der Bürgerliste, die insgesamt 6 Räte stellt, enthielten sich der Stimme. Priska Lechner Kuntner und Andrea Perger Puintner, beide von der Bürgerliste, beanstandeten, dass das Dokument ziemlich allgemein gehalten und somit viel Interpretationsspielraum gegeben sei. „Was völlig fehlt, ist das Thema der direkten Demokratie“, kritisierte­ Perger. Es sei keine Form der aktiven Beteiligung der Bürger vorgesehen. Für die Jugend sei mehr zu tun als nur die offenen Treffs weiter zu betreiben. Um rechten Tendenzen sowie der Politik­verdrossenheit und Orientierungslosigkeit vorzubeugen, brauche es altersgerechte Formen der Mitbestimmung. Auch laut Raimund ­Niederfriniger (SVP) besteht im Bereich der Jugendarbeit Handlungsbedarf: „Wir haben zum Teil eine ‚fanatische’ Jugend.“ Die Eltern und Schulen seien ebenso gefordert wie die Gemeinde. Andreas Tappeiner und sein Stellvertreter Markus Hauser hielten fest, dass das Dokument in seinen Grundzügen in etwa dasselbe sei wie jenes vor 5 Jahren. Das Verwaltungsprogramm gebe die Richtlinien und Ziele vor. „Es verhindert nichts und schließt nichts aus“, so Hauser. Neue Formen zur Einbindung der Jugend seien ebenso möglich wie Maßnahmen im Bereich der direkten Demokratie. Als eines der großen Arbeitsziele wird im Dokument der Ausgleich von Entwicklungsunterschieden angegeben: „Das gesamte Gemeindegebiet mit allen Fraktionen wird als ein Ganzes betrachtet.“ Im Bereich Energie strebt die Gemeinde eine angemessene Beteiligung an der Großwasserableitung Laas-Martell an. Die Erschließung erneuerbarer Energiequellen soll die Gemeinde langfristig in eine wirtschaftliche Unabhängigkeit führen. Der heimische Rohstoff Marmor soll nach Möglichkeit aufgewertet und der Standort Laas für die Marmorverarbeitung gesichert werden. Ein umweltschonender Abtransport ist zu gewährleisten. Angestrebt wird unter anderem auch ein Konzept zur Dorfbildgestaltung in Laas und in den Fraktionen. Auch etliche Baumaßnahmen (Kindergarten und Grundschule Laas, Umkleide- und Sanitäranlagen beim Schwimmbad usw.) sind festgeschrieben. Das Thema Böllern bei Hochzeiten brachte Toni Perfler von der Bürgerliste aufs Tapet. Es sei besonders für ältere Menschen und Kinder, aber auch für Bürger und Gäste insgesamt nicht zumutbar, dass an manchen Samstagen zum Teil bereits ab 4 Uhr, 3 Uhr oder noch früher geböllert wird. Perfler regte an, das Böllern zeitlich und möglicherweise auch von der Anzahl der „Schüsse“ her einzudämmen. Laut dem Bürgermeister ist das Böllern tatsächlich ein Problem. Auch mehrere Räte sprachen sich dafür aus, diesen Brauch zu limitieren. Geht es nach dem Willen der Mehrheit, soll in Zukunft erst ab 5 bzw. gar erst ab 6 Uhr geböllert werden dürfen. Auch eine Einschränkung der Dauer auf eine Viertelstunde wurde vorgeschlagen. Der Brauch des Böllerns im Vorfeld von Hochzeiten wirft übrigens nicht nur in Laas so manchen Bürger und Urlauber in aller Herrgottsfrüh aus dem Bett.
Josef Laner

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