In der eigenen Höhle werden sie zu Löwen
Publiziert in 18 / 2013 - Erschienen am 15. Mai 2013
Die Landesligisten des ASV Latsch spielen seit Wochen nach dem Motto: Je stärker der Gegner, umso genussvoller der Sieg.
Latsch, Landesliga, 27. Spieltag, Sonntag, 12. Mai - Hätte jemand zu Beginn der Rückrunde behauptet, Latsch könnte ohne den verletzten Patrick Fliri und ohne einen Alexander Mantinger in der Verteidigung, ohne den technisch versierten Hannes Stecher und ohne den kampfstarken Mattia Lo Presti im Sturm jede Spitzenmannschaft der Landesliga besiegen, er wäre für verrückt erklärt worden. Dass es geht, bewiesen die Latscher mit dem 2:1 Triumph über Moos. Einige der rot-gesperrten Haudegen hatten sich auf der Süd-Tribüne um Sektionsleiter Roland Pirhofer geschart. Mit sorgenvollen Blicken in den ersten 45 Minuten. Die Latscher schienen Angst zu haben, standen tief und machten in der 21. Minute einen ersten, schüchternen Versuch, Richtung Mooser Tor zu schießen. Es dauerte mehr als eine halbe Stunde, bis sich die Gastgeber eine Ecke erspielten. Ganz anders vor Kevin Vornberger im Latscher Tor. Der hatte wörtlich alle Hände voll zu tun. Eine Ecke nach der anderen wurde fällig. In der 24. Minute musste der Pfosten helfen, aber nach der 5. Ecke war es soweit. Mit Hilfe der tief stehenden Sonne und des böigen Oberwindes gelang Lukas Spechtenhauser in der 36. Spielminute das Führungstor für die Gäste. Die Latscher schienen das Unvermeidliche hinzunehmen. Einige schöne Spielzüge im Ansatz führten ins Leere. Abspielfehler häuften sich, aber eine disziplinierte und kontrollierte Mannschaft ließ sich auch durch die katastrophalen Abseitsentscheidungen des Unparteiischen nicht aus der Ruhe bringen. In der 2. Spielhälfte ein ganz anderes Bild. Latsch ließ sich nicht mehr in die eigene Hälfte drängen. Jeder kämpfte nach seinem Vermögen auf seinem Posten. Immer häufiger machten die Zuschauer auf der Süd-Tribüne Mut; immer öfter rief Sektionsleiter Pirhofer: „Auf Buabn, die kochen auch nur mit Wasser!“ Während die Passeirer ihren argentinischen Ausnahmekönner Ramiro Martin Lago suchten und während der von Lukas Vent, Davide Penasa und Stefan Rinner sehr cool neutralisiert wurde, suchten und fanden die Latscher immer öfter ihren Mann auf dem Platz. Das bemerkten auch die Mooser. „Der Zehner kommt!“, rief man sich zu und versuchte alles, um einen spielerisch überragenden Michael Tscholl „aus dem Verkehr zu ziehen“. Dennoch gelang es ihm, sträflich allein gelassen, einen Pass von Joussef Loubadi anzunehmen und in der 69. Minute auszugleichen. Die Folge: Tscholl band Kräfte des Gegners. Dies wiederum schaffte Platz für die Mitspieler. Hannes Schwemm wurde in der 42. Spielminute zum „Matchwinner“ nach einem Durcheinander vor dem Mooser Tor.
Günther Schöpf
Günther Schöpf