Ein Esparsetten-Widderchen (Schmetterlingsart), aufgenommen am Hangfuß zwischen Schleis und Burgeis; Foto: Joachim Winkler

Alarmierende Schmetterlingsstudie

Publiziert in 38 / 2013 - Erschienen am 30. Oktober 2013
Die Problematik des intensiven Obstbaus (Teil 3 von 6) Obervinschgau - Ich habe mich mit Studien befasst, die zwei renommierte Schmetterlingsforscher des Tiroler Landes­museums Ferdinandeum (Innsbruck) im Auftrag der Provinz Bozen erstellt haben (1998, 2003, 2007). Schmetterlinge reagieren extrem empfindlich auf Umwelteinflüsse und gehören daher zu den besten biologischen Messinstrumenten (Bioindikatoren) für den naturnahen bzw. naturfernen Zustand eines Gebietes. Große Artenvielfalt weist auf eine intakte Landschaft hin. Die international anerkannten Fachleute Peter Huemer und Gerhard Tarmann untersuchten die Schmetterlingspopulationen in Südtirol und kamen zum Schluss, dass eine starke Gefährdung der Schmetterlinge durch obstbau­liche Maßnahmen (Vergiftung mit Pestiziden) vorliegt. Als Beispiel sei das Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) genannt, das eine sehr hohe Empfindlichkeit gegen Spritzmittel im Obstbau aufweist. Vor 40 Jahren kam es noch in sehr starken Populationen an ­Trockenstandorten überall im Vinschgau vor. An den klassischen Fundstellen tieferer Lagen bis 200 m über der Talsohle des Vinschgaus, aber auch südlich davon, ist diese Art verschwunden. Als Hauptgrund werden Spritzmittel des Obstbaus angenommen, die in Form feinster Aerosole mit dem Wind weit verbreitet werden. Widderchenpopulationen fehlen heute in der gesamten Talsohle des Untersuchungsgebietes. Westlich von Mals (Marienberg, Laatsch, Taufers i.M.), wo es zum Zeitpunkt der Untersuchung keinen Obstbau gab, war die Art überall häufig. Auch am Tartscher Bühel wurde geforscht: Dieser Untersuchungsstandort ist ohne Zweifel durch Gifteintrag aus dem benachbarten Apfelanbau der letzten Jahre schwer geschädigt. Historische Schmetterlings­daten belegen dies eindeutig. Der Tartscher Bühel würde sehr gute potentielle Lebensräume für alle Widderchenarten bieten, ist aber heute widderchenfrei. Solche Erkenntnisse stimmen jeden Naturfreund nachdenklich und es stellt sich die Frage wie es so weit kommen konnte und was getan werden kann. Was kann getan werden? Zitat aus der Schmetterlingsstudie von Gerhard M. Tarmann: • „Vor allem im Nahbereich von wertvollen Lebensräumen sollte, soweit möglich, auf alternative Bekämpfungsmaßnahmen obstbaulicher Schädlinge zurückgegriffen werden (insbesondere Pheromonfallen). • Überdies ist eine Intervallverlängerung des Spritzmitteleinsatzes empfehlenswert“. Joachim Winkler, Mals, Herbst 2013
Vinschger Sonderausgabe

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