Aufmerksame Konzentration bei den Ausführungen über den biologischen Gemüseanbau im Val di Gresta.

Alles Bio oder was?

Publiziert in 46 / 2012 - Erschienen am 19. Dezember 2012
Vinschger informieren sich über den biologischen ­Gemüseanbau im Val di Gresta. Val di Gresta - Wovon immer mehr Vinschgerinnen und Vinschger träumen, nämlich ein biologisch bewirtschaftetes Tal vom Reschen bis möglichst weit hinunter, hat sich eine rund 40-köpfige Gruppe aus Südtirol, vor allem aus dem Vinschgau, in der Praxis anschauen wollen. Finanziert vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz fuhr man in aller Herrgottsfrüh nach Rovereto und zweigte an der ­Straße zum Gardasee nach rechts zum steil aufsteigenden Val di Gresta ab. Vertreter der dortigen Genossenschaft erläuterten den Südtirolern den Weg vom ehemals üblichen Landbau zur biologischen landwirtschaftlichen Produktion, über die derzeit rund 80% des Ertrages abgewickelt wird. Das hervorragendste Produkt sind die biologisch erzeugten Karotten, von denen gar nicht genug in Val di Gresta wachsen können. Derzeit werden rund 20.000 Tonnen Gemüse erzeugt und zu ausgezeichneten Preisen vermarktet. „Wir haben eine Nachfrage, für die wir 40.000 Tonnen Gemüse bräuchten“, so eine Betreuerin aus der Genossenschaft, „aber auf Grund der kleinstrukturierten Anbauflächen, die wir teilweise von Hand bewässern müssen, ist derzeit eine Ausweitung noch nicht möglich.“ Der Bürgermeister von Ronzo-Chienes, Mirko Martinelli, ist selbst Hotelier im Val di Gresta: „Es ist unsere Verpflichtung, das Gemüse von unseren Bauern zu kaufen“. Besondere Auswirkungen hat der biologische Landbau auch auf den Tourismus; Das Tal ist hauptsächlich als „Valle biologico“ bekannt geworden. Die Provinz Trient hat sich ebenfalls verpflichtet, Gemüse, vor allem Karotten für Kindergärten, Altersheime, Spitäler und Mensen im Val di Gresta einzukaufen. Das gibt den Bauern ein festes Standbein und hilft auch in der weiteren Vermarktung. Es fehlen allerdings auch nicht die Probleme, die mit der biologischen Landwirtschaft verbunden sind. Da noch nicht alle Bauern biologisch anbauen, gibt es mit Einträgen aus der konventionellen Landwirtschaft Auseinandersetzungen. Hier bedarf es oft der Vermittlung der Genossenschaftsleitung. Etwas überrascht waren die Besucher aus Südtirol auch von der kompletten Abhängigkeit der Genossenschaft von den Weltfirmen wie ­Monsanto, Syngenta und anderen. Das Saatgut sei zwar biozertifiziert, doch sehe man zur Zeit keine Möglichkeit, ähnliche Saatgutqualität zu produzieren, da dies viel zu lange dauern würde und das Ausgangsmaterial nicht mehr existiere. In einem Restaurant wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Exkursion dann ein Menü mit Produkten aus dem Val di Gresta serviert, das allen vorzüglich mundete. Es wurde der Wunsch vorgebracht, dass auch in Südtirol die öffentlichen Einrichtungen mit Bio-Produkten aus dem eigenen Land versorgt werden sollen. Friedrich Haring
Friedrich Haring
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