Zwei Stunden lang hat Philipp Achammer mit Stilfser Jugendlichen sowie Gemeinde- und Vereinsvertretern im „Chill House“ diskutiert.

Auf Du und Du mit Philipp Achammer

Publiziert in 45 / 2014 - Erschienen am 17. Dezember 2014
Lockerer Austausch mit Stilfser Jugendlichen. Viele Anliegen kommen zur Sprache. Stilfs - An der offiziellen Eröffnung des erweiterten Jugendtreffs „Chill House“ konnte er nicht teilnehmen. Sein Versprechen, zu einem anderen Zeitpunkt vorbeizuschauen, löste Bildungs- und Kulturlandesrat Landesrat Philipp Achammer am 9. Dezember ein. Zwei Stunden lang saß er mit Stilfser Jugendlichen und Gemeindevertretern in lockerer Runde zusammen. Eingangs wurde der Pusterer in das traditionelle „Klosn“ eingeweiht. „Bis zum nächsten ‚Klosn’ sind es nur mehr 361 Tage“, sagte ein Jugendlicher. Deutlicher lässt es sich kaum ausdrücken, wie stark sich vor allem auch die Jugend mit diesem traditionellen ­Stilfser Brauch identifiziert. Zum „Klosn“ kommen immer auch viele ausgewanderte Stilfser in ihre alte Heimat zurück. Das Thema Abwanderung kam mehrmals aufs Tapet. Ein Jugendlicher wünschte sich, „dass wir in Stilfs bleiben können.“ Hoffentlich gebe es in Zukunft mehr Kinder. Bauen ist in Stilfs extrem teuer Damit die Menschen nicht wegziehen, sind laut Bürgermeister Hartwig Tschenett vor allem zwei Dinge wichtig: Arbeitsplätze und Wohnungen. In punkto Wohnungsbau gibt es im steilen Dorf laut Bauten-Referent Armin ­Angerer große Probleme: „Wer hier baut, muss im Schnitt 30% mehr zahlen als im Tal.“ Die Gemeinde verfüge über zu wenig Geld, um selbst ungenutzte Kubatur zu kaufen und Wohnungen zu errichten. Auch für Immobilienmakler sei Stilfs kein gutes Pflaster, denn diese wollen billig kaufen und teuer verkaufen. „Nimmt man Sulden dazu, so ist die Zahl der Zweitwohnungen mittlerweile sehr hoch“, gab der Bürgermeister zu bedenken. Auf die Frage eines Jugendlichen, wie Achammer dazu kam, Politiker zu werden, meinte dieser: „Wir hatten in Vintl keinen Jugendraum und deshalb habe ich mich entschieden, politisch tätig zu werden und für einen Jugendraum zu kämpfen.“ Was ihn an der Politik bis heute reizt und motiviert, ist es, etwas bewegen zu können. Überzeugen konnte sich der Landesrat auch davon, dass das Vereinsleben in Stilfs gut funktioniert. Thema Alkohol und Gruppenzwang Zu Sprache gebracht wurden auch die Themen Schule, Ausbildung, Sprachen sowie Alkohol. Ines Pritzi, die Vorsitzende des Vereins „Jugendtreff Chill House“, die im Sommer in einer Diskothek gearbeitet hatte, und weitere Jugendliche meinten, dass junge Menschen oft aufgrund eines Gruppenzwangs angehalten werden, sich in kürzester Zeit mit Alkopops zuzuschütten. Dies treffe vor allem auf die männliche Jugend zu. „Wenn man um 2 Uhr oder später nüchtern eine Diskothek betritt, kommt einem vor, man sei im falschen Film“, hieß es mehrfach. Ein normales Gespräch sei oft nicht mehr möglich. Außerdem sei es so, dass man zwar am selben Tisch sitzt, aber doch nicht beisammen ist, weil jeder mit seinem Handy beschäftigt ist. Zum Thema Alkohol sagte Achammer, dass es wichtig sei, den richtigen Umgang damit zu lernen. Einig sind sich viele Stilfser Jugendliche auch darin, dass gute Unterhaltungsangebote, bei denen nicht der Alkoholkonsum im Mittelpunkt steht, Mangelware sind. An der Gesprächsrunde im „Chill House“ nahmen u.a. auch Klaus Nothdurfter, der Direktor des Amtes für Jugendarbeit, teil, der neue Geschäftsführer des Jugenddienstes Obervinschgau, Tobias Stecher, der Jugendarbeiter Burkhard Kuntner, Peter Grutsch, der Präsident des Pfarrgemeinderates, und die KFS-Zweigstellenleiterin Gabi Spiess. Detail am Rande: Die Stilfser Jugendlichen haben dem Landesrat das Versprechen abgerungen, beim nächsten „Klosn“ am 5. Dezember 2015 dabei zu sein. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.